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Menschen führen kann man auch ohne Charakter. Doch Charakter macht einen zu einer Führungspersönlichkeit, die es wert ist, dass man ihr folgt.
Die Erfolge einer Führungskraft werden ihren Namen bekannt machen. Der Charakter wird bestimmen, was die Menschen mit diesem Namen verbinden.
Die Gaben und die Zielstrebigkeit mögen das Potenzial beherrschen, aber es ist der Charakter, der darüber entscheidet, welches Vermächtnis ein Leiter hinterlässt.
Die Menschen, die sich entscheiden, einem zu folgen, wollen, dass sie es auch wert sind. Sie beurteilen sie nicht so sehr danach, wohin geführt wurde, sondern wie geführt wurde.

In einer großen Studie unter Führungspersönlichkeiten wurde gefragt, welche Merkmale eine Führungskraft haben sollte, die es wert ist, dass man ihr folgt. Auf Platz eins stand “Aufrichtigkeit”. Das hat etwas mit Charakter zu tun.

Eine kurze Definition von Charakter lautet:

Charakter ist der Wille, das Richtige zu tun, selbst wenn es schwer fällt.

Den Willen zu haben – also Charakter zu haben, das Richtige zu tun, bringt eine menge Vorentscheidungen mit sich. Es muss vorher geklärt werden, was richtig und falsch ist. Eine Führungskraft mit Charakter wird dann unabhängig von eigenen Gefühlen, Intuition, Wirtschaftlichkeit, aktuellen Trends und, in den Augen mancher Leute, auch unabhängig vom gesunden Menschenverstand Entscheidungen fällen, die richtig sind.
Und genau das trennt Leute mit Charakter von denjenigen mit guten, aber verhandelbaren Absichten.

Es wird aber Zeiten geben, in denen der Weg zum Ziel und die eigenen Werte in einem Konflikt stehen. “Der Zweck heiligt die Mittel”, wird oft gesagt, aber das bedeutet Kompromisse zu machen. Es wird tausend Gründe geben, warum etwas die Gelegenheit des Lebens ist. Wenn man aber Vorentscheidungen gefällt und Überzeugungen entwickelt hat, wird es zwischendurch immer wieder eine leise Stimme geben, die kommentarlos sagt: “Das ist nicht richtig.”
Führungsaufgaben zu übernehmen und zugleich die Person zu sein, die man gerne sein möchte, lassen sich nicht immer miteinander vereinbaren.

Je höher eine Person in ihren Führungsaufgaben wächst, desto mehr besteht die Gefahr Kompromisse zu machen. Erfolg bringt den unerwarteten Druck mit sich, den Erfolg beizubehalten. Diesen Erfolg werden die Menschen um einen herum, dann auch als selbstverständlich ansehen. Erfolg beizubehalten erfordert eine Strategie, oft auf Kosten der eigenen Werte und Überzeugungen.

Mit Charakter zu führen heißt nicht, das Richtige zu tun, um die Konsequenzen zu meiden. Führungsleute, die die Loyalität der Mitarbeiter verdienen und erhalten, tun das Richtige, weil es das Richtige ist. Tugend ist kein Mittel zum Zweck. Sie ist der Zweck.

Jeder, der Führungsverantwortung übernimmt, trägt zwei Abzeichen: ein sichtbares und ein unsichtbares. Das sichtbare ist die Position und der Titel. Das unsichtbare ist die moralische Autorität.
Die Position veranlasst Menschen in der Organisation, einem zeitweilig ihre Hände zu leihen. Doch die moralische Autorität wird sie inspirieren, mit dem Herzen dabei zu sein. Moralische Autorität ist die Glaubwürdigkeit, die man sich verdient, wenn das Handeln mit dem Reden übereinstimmt. Die Übereinstimmung von Überzeugungen und Verhalten macht eine Führungskraft überzeugend.

In dem vierten Kapitel geht es um das Thema Coaching.

  1. Ich komme mit Coach weiter und schneller voran als alleine
  2. Ein effektiver Coach muss nicht unbedingt mehr Fähigkeiten besitzen als derjenige, den er trainiert.

Ohne Coaching wird man in keinem Lebensbereich das Potenzial maximieren. Man mag gut sein. Vielleicht sogar besser als die meisten. Aber ohne Input, ohne Urteil von außen wird man nie so gut sein, wie man könnte.

Dabei spielt das Alter keine Rolle. Je älter man wird, desto dringender brauch man einen Coach. Alter und Erfahrung haben es an sich, dass man in einen Trott verfällt. Man macht immer dasselber, immer auf diesselbe Art und niemand spornt einen zur Veränderung an.

Der Mensch an sich ist dazu veranlagt, sich an anderen Menschen zu messen. Ein guter Coach misst die Leistung an dem Potenzial. Er hilft die Leistung an den eigenen Stärken zu messen und nicht an denen anderer Leute.

Ein Coach in Sachen Führung ist aber nicht zu vergleichen mit einem Coach im Sport. Er ist viel mehr hinter den Kulissen, vor und nach dem Spiel tätig. Dabei gibt es drei Rollen:

  • Beratung:
    Hier hilft der Coach, die Gegenwart zu bewerten, damit in der Zukunft effektiver gehandelt werden kann
  • Consulting:
    Coaching ist typischerweise eher mittel- oder langfristig angelegt. Zentrales Thema ist, im Gegensatz zu Consulting, nicht das Lösen von Problemen. Coaching konzentriert sich vielmehr auf Leistungssteigerung.
  • Mentoring:
    Coaching umfasst alle Komponente von Mentoring. Der Hauptunterschied ist, dass der Coach häufig die Initiative ergreift. Er ist pro-aktiv und steht beobachtend mitten im Geschehen. Er tut alles um ein Vorankommen zu gewährleisten.

Wie kann man bei Ungewissheit Klarheit verbreiten und trotzdem Schritte nach vorne machen?

1.Der Sicherheitsquotient
Dazu muss man vorherige Entscheidungen reflektieren und schauen wieviel Sicherheit man vorher hatte. Am günstigsten ist es, wenn man eine Entscheidung denkt, die sich als richtig erwiesen hat. Wie sicher war man sich vorher? 100% sicher? 50%? An welcher Stelle konnte man damals mit gutem Gefühl den Schalter umlegen?
Wie ist es bei falschen Entscheidungen? War man sich da weniger sicher, oder womöglich mehr?

2.Der Unsicherheit selbstbewusst Ausdruck verleihen
Auf der Führungsebene sind wir immer versucht, vorzugeben, dass wir mehr wissen, als wir tatsächlich tun. Wir fürchten, die Menschen werden uns nur folgen, wenn wir uns allwissend geben. Ganz oft kommt man dann in die Gefahr etwas vorzutäuschen. Die pfiffigen Personen um uns herum werden das aber ganz schnell merken.

Unsicherheit enthüllt einen Mangel an Kenntnis. Heuchelei enthüllt einen Mangel an Charakter.

Wir dürfen unseren Mangel an Gewissheit also zum Ausdruck bringen. Dies sendet auch eine Botschaft an andere Leiter. Es ist in unser Organisation in Ordnung, etwas nicht zu wissen. Das führt zu einem freien Gedankenaustausch, zu einer lernenden Organisation. Dies führt zu Aufrichtigkeit und Durchsichtigkeit.

Selbstbewusst kann man damit umgehen, in dem man erkennbar gibt, dass man sich bemüht. “Ich weiß es nicht, aber ich finde es ganz bestimmt heraus.”

Folgende Sätze können dafür gebraucht werden.

  • “Im Augenblick weiß ich es nicht, aber ich bin sicher, wir bekommen es heraus.”
  • “Im Augenblick weiß ich es nicht, aber bis es soeit ist, dass wir uns der Sache annehmen, werden wir gewiss eine Antwort haben.”
  • “Ich weiß es nicht, aber gemeinsam mit Euch als Mitarbeiter, kommen wir mit Sicherheit zu einer Lösung.”
  • “Ich weiß es nicht. Ich habe das noch nie gemacht. Aber ich denke, wir können uns der Herausforderung stellen.”
  • Als kein Heucheln! Man ist nicht in einer Führungsposition, weil man alles weiß. Allwissenheit ist keine Vorbedingung. Selbstvertrauen aber wohl. Die Unsicherheit mit Selbstvertrauen Ausdruck verleihen. Dadurch wird das Selbstvertrauen der Menschen, die einem folgen geweckt.

3.Rat suchen
Die Qualität eines Leiters bedeutet nicht, einsam alleine Entscheidungen zu fällen. Es geht darum zu Entscheidungen zu stehen, wenn sie gefällt wurden. Jedes Kind fragt, wenn es etwas nicht weiß. Deswegen muss gefragt werden.
Übereinstimmung schafft Vertrauen angesichts von Ungewissheit. Wenn Leute, die wir schätzen uns zustimmend zunicken, dann steigt unser Selbstvertrauen.

4.Erfolg an Toren messen, nicht an der Strategie

Jeder Trainer geht ins Spiel zu gewinnen. Er hat einen Plan, muss aber bereit sein, diesen Plan spontan umzuwerfen. Das Ziel ist zu gewinnen und nicht die Strategie durchzuziehen. Es geht um das Ziel, um die Vision.
Klarheit der Vision gleicht Unsicherheit in der Planug aus. Wenn man klar und zuversichtlich auf das Ziel zusteuert, kann man ruhig ein paar Umwege in Kauf nehmen. Pläne ändern sich, Visionen bleiben dieselben.

Zusätzlich drückt sich Klarheit der Vision in eine größere Bereitschaft aus, entschlossene in unsichere Bereiche voranzugehen. Wenn ich davon überzeugt bin, dass etwas sein muss, bin ich bereit, die Chance zu ergreifen.

Pläne mit Bleistift notieren. Die Vision mit Tinte.

Führungspersönlichkeiten lieben den Fortschritt. Nichts ist entmutigender irgendwo gestrandet zu sein, wo es nicht mehr weitergeht. Fortschritt setzt aber Veränderung voraus.
Menschen in Organisationen, Firmen und Gemeinden wünschen sich Stabilität. Veränderung und Fortschritt wird da oft als Widerspruch angesehen.
Eine Führungspersönlichkeit kann das aber nicht akzeptieren. Den Status quo zu akzeptieren heißt ein Todesurteil anzunehmen. Der letzte Satz einer sterbenden Gemeinde ist: “Das haben wir schon immer so gemacht..”.

Führungspersönlichkeiten stellen in Fragen, was ist – im Interesse von etwas, das sein könnte und sein sollte. Das zu erkennen macht noch niemanden zu einer Führungspersönlichkeit. Die Führungsrolle fällt dem zu, der den Mut hat, nach seinen Erkenntnissen zu handeln. Mut ist eine unabdingbare Eigenschaft.

Derjenige der als Erster zu neuen Ufern aufbricht, ist ein Anführer und hat Mut. Mut ist die Grundlage für Führungsverantwortung.

Neben der Aufgabe den Status quo zu hinterfragen, hat die Führungsperson die Aufgabe die Menschen an Orte zu führen, an denen sie bisher noch nicht waren. Meistens müssen die Menschen sogar dorthin geführt werden, wo man selbst noch nicht war. Da ist es selbstverständlich, dass Menschen Angst haben. Genauso wie bei Betreten eines dunklen Zimmer, dass man bisher nicht kennt. Führen erfordert den Mut, im Dunkeln zu wandern.
Angst widersetzt sich der Logik, die Menschen um einen herum werden auf viele logische Informationen und Argumente nicht reagieren. Daher ist die Art, wie eine Führungsperson auf Dunkelheit reagiert, entscheidend ob die Menschen ihm auch die Führung anvertrauen oder nicht.

Mut ist nicht das Fehlen von Angst. Mut setzt Angst voraus. Hätten wir beispielsweise gewartet, bis die Angst verschwindet, bevor wir das erste Mal vom Sprungbrett ins Wasser tauchten, dann stünden wir heute noch da.

Mut hat auch etwas mit Risiko zu tun. Oft muss das Risiko eingegangen werden auch Fehlschläge zu machen. Führungspersonen leben leichter damit es versucht zu haben und gescheitert zu sein, als es gar nicht erst versucht zu haben.
Durschnittsmenschen haben Angst davor, eine neue Chance zu ergreifen. Führungspersonen haben Angst davor, sie zu verpassen.

Man kann nicht führen ohne Risiko einzugehen. Man geht kein Risiko ein, wenn man keinen Mut hat. Mut ist eine unverzichtbare Führungsqualität