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Wie kann man bei Ungewissheit Klarheit verbreiten und trotzdem Schritte nach vorne machen?

1.Der Sicherheitsquotient
Dazu muss man vorherige Entscheidungen reflektieren und schauen wieviel Sicherheit man vorher hatte. Am günstigsten ist es, wenn man eine Entscheidung denkt, die sich als richtig erwiesen hat. Wie sicher war man sich vorher? 100% sicher? 50%? An welcher Stelle konnte man damals mit gutem Gefühl den Schalter umlegen?
Wie ist es bei falschen Entscheidungen? War man sich da weniger sicher, oder womöglich mehr?

2.Der Unsicherheit selbstbewusst Ausdruck verleihen
Auf der Führungsebene sind wir immer versucht, vorzugeben, dass wir mehr wissen, als wir tatsächlich tun. Wir fürchten, die Menschen werden uns nur folgen, wenn wir uns allwissend geben. Ganz oft kommt man dann in die Gefahr etwas vorzutäuschen. Die pfiffigen Personen um uns herum werden das aber ganz schnell merken.

Unsicherheit enthüllt einen Mangel an Kenntnis. Heuchelei enthüllt einen Mangel an Charakter.

Wir dürfen unseren Mangel an Gewissheit also zum Ausdruck bringen. Dies sendet auch eine Botschaft an andere Leiter. Es ist in unser Organisation in Ordnung, etwas nicht zu wissen. Das führt zu einem freien Gedankenaustausch, zu einer lernenden Organisation. Dies führt zu Aufrichtigkeit und Durchsichtigkeit.

Selbstbewusst kann man damit umgehen, in dem man erkennbar gibt, dass man sich bemüht. “Ich weiß es nicht, aber ich finde es ganz bestimmt heraus.”

Folgende Sätze können dafür gebraucht werden.

  • “Im Augenblick weiß ich es nicht, aber ich bin sicher, wir bekommen es heraus.”
  • “Im Augenblick weiß ich es nicht, aber bis es soeit ist, dass wir uns der Sache annehmen, werden wir gewiss eine Antwort haben.”
  • “Ich weiß es nicht, aber gemeinsam mit Euch als Mitarbeiter, kommen wir mit Sicherheit zu einer Lösung.”
  • “Ich weiß es nicht. Ich habe das noch nie gemacht. Aber ich denke, wir können uns der Herausforderung stellen.”
  • Als kein Heucheln! Man ist nicht in einer Führungsposition, weil man alles weiß. Allwissenheit ist keine Vorbedingung. Selbstvertrauen aber wohl. Die Unsicherheit mit Selbstvertrauen Ausdruck verleihen. Dadurch wird das Selbstvertrauen der Menschen, die einem folgen geweckt.

3.Rat suchen
Die Qualität eines Leiters bedeutet nicht, einsam alleine Entscheidungen zu fällen. Es geht darum zu Entscheidungen zu stehen, wenn sie gefällt wurden. Jedes Kind fragt, wenn es etwas nicht weiß. Deswegen muss gefragt werden.
Übereinstimmung schafft Vertrauen angesichts von Ungewissheit. Wenn Leute, die wir schätzen uns zustimmend zunicken, dann steigt unser Selbstvertrauen.

4.Erfolg an Toren messen, nicht an der Strategie

Jeder Trainer geht ins Spiel zu gewinnen. Er hat einen Plan, muss aber bereit sein, diesen Plan spontan umzuwerfen. Das Ziel ist zu gewinnen und nicht die Strategie durchzuziehen. Es geht um das Ziel, um die Vision.
Klarheit der Vision gleicht Unsicherheit in der Planug aus. Wenn man klar und zuversichtlich auf das Ziel zusteuert, kann man ruhig ein paar Umwege in Kauf nehmen. Pläne ändern sich, Visionen bleiben dieselben.

Zusätzlich drückt sich Klarheit der Vision in eine größere Bereitschaft aus, entschlossene in unsichere Bereiche voranzugehen. Wenn ich davon überzeugt bin, dass etwas sein muss, bin ich bereit, die Chance zu ergreifen.

Pläne mit Bleistift notieren. Die Vision mit Tinte.

Unsicherheit ist in der Landschaft der Führungsverantwortung ein dauerhafter Begleiter. Unsicherheit ist auch kein Hinweis auf schlechte Führung; sie unterstreicht die Notwendigkeit von Führung. Wo es keine Unsicherheit gibt, da ist kein Bedarf mehr für Führung. Oder noch mehr: Je mehr Führungsverantwortung man hat, desto mehr wird die Unsicherheit wachsen.
Das Ziel sollte daher nicht sein, Unsicherheit zu beseitigen, sondern die Kunst entwickeln, auch angesichts von Unsicherheit Klarheit zu verbreiten.
Zur Kunst der Klarheit gehört, ausdrückliche und präzise Anweisungen zu geben, auch wenn nur beschränkte Informationen zur Verfügung stehen.

Auf Mitarbeiter zu hören, in Zeiten der Ungewissheit ist wichtig und ratsam. Entscheidungen über die Köpfe der Mitarbeiter hinweg zu fällen, halte ich für gefährlich. Früher oder später wird das nicht gut gehen. Klarheit in Zeiten der Ungewissheit (als eigentlich immer), heißt Mitarbeiter mit einzubeziehen. Sorgen und Nöte anzuhören. Wenn aber eine Entscheidung gefällt wurde, dürfen die gleichen Diskussionen nicht wieder von vorne losgehen. Hier ist es dann wichtig, klare Worte zu finden. In weiteren Schritten kann über das “Wie” geredet werden, aber die Frage nach dem “ob” man das überhaupt machen soll, darf vorerst nicht wieder auftauchen.

Führung hat nicht zum Ziel, Ungewissheit auszurotten, sondern sie zu steuern. Ungewissheit ist Bestandteil jedes Umfelds, in dem Führung nötig ist. Wo man das eine findet, wird man auch immer das andere finden.

Ungewissheit hat auch damit etwas zu tun, dass es nichts greifbares gibt. Daher tut man sich so schwer über Ideen, Werte, Ziele, Standortbestimmung, Strategie und Auftrag zu reden. Diese Dinge selten greifbar und erst in der Zukunft messbar.

Führen hat also nichts mit einer Sicherheit zu tun, sondern mit Klarheit, klaren Entscheidungen und einer klaren Vision in der Unsicherheit.

1. Der Mut, Nein zu sagen

Mike Nappa sagte: “Chance ist nicht gleich Verpflichtung”. Das heißt man muss nicht jeder Chance, die anklopft “Herein!” rufen und willkommen heißen. Die Fähigkeit, die wenigen wirklich notwendigen Dinge auszumachen und sich darauf zu konzentrieren, ist das Kennzeichen exzellenter Führungsgestalten.
Aufgrund der vielen Chancen, geht die Konzentration oft verloren. Ein Mangel an Konzentration verwandelt sich schließlich in einen Verlust von Vision. Ist die Vision verschwommen, können Menschen ihr nicht folgen.

Es ist meine Erfahrung, dass große Führungspersönlichkeiten trotz vieler Ablenkungen den Fokus nicht aus den Augen verlieren. Sie wissen, wie man Menschen inspiriert und motiviert, auf die “eine große Chance” hinzuarbeiten. Sie lassen sich nicht von Nebensächlichkeiten ablenken.

Der Mut, der aktuellen Realität ins Auge zu sehen

Leiter müssen auch bereit sein, der aktuellen Realität ins Auge zu sehen. Weigert er sich, so leidet er womöglich sogar an Wirklichkeitsverlust.
Wir wollen glauben, dass die Dinge gut stehen. Unser Ego und unsere Selbstachtung sind unerbittlich mit unser Führungsfähigkeit verbunden

Begeisternde Leiter sind bereit, die gegenwärtige Realität zu sehen und zu akzeptieren, ganz gleich wie entmutigend oder unangenehm sie sein mag.
Wenn wir nicht aufpassen, ignorieren wir die nackten Tatsachen und handeln stattdessen nach einer “Realität”, die wir uns nur eingebildet haben.

7 Gebote der gegenwärtigen Realität

  • Du sollst nicht heucheln
  • Du sollst dich den Tatsachen nicht verschließen
  • Du sollst nicht übertreiben
  • Du sollst den Überbringer schlechter Nachrichten nicht erschießen
  • Du sollst dich nicht hinter Zahlen verstecken
  • Du sollst konstruktive Kritik nicht ignorieren
  • Du sollst dich nicht isolieren

Mut zum Träumen

Als Leiter gibt es eine dritte Form des Mutes. Den Mut, von dem zu träumen, was sein könnte und sein sollte. Dabei muss man den Gedanken erlauben, die Grenzen des IST zu überschreiten und im Geist ein Bild dessen zu malen, was SEIN könnte. Großes erreicht nicht unbedingt der begabteste, oder der am besten Ausgebildete, sondern derjenige, der sich weigert, sein Denken in ein Korsett zu pressen.
Träumen fordert Mut. Denn jedem Traum ist der Dämon des Zweifels auf den Fersen. Oft schwirren einem sofort viele Gründe im Kopf rum, warum das nicht klappen wird, was wir uns erträumen.
Jemand sagte mal: “Träume keine kleinen Träume, denn sie berühren die Herzen der Menschen nicht”.
In großen Träumen zu träumen, in großen Maßstäben und ohne Angst, das ist herausfordernd und braucht Mut.