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Die Tatsache, dass Menschen einem folgen, heißt noch nicht, dass man es wert ist, dass sie folgen.

Oft ist man versucht, das Maß von Erfolg oder göttlichem Segen oder beidem daran abzulesen, wie viele Menschen einem anhängen. Die Sache ist aber die, dass Jesus gegen Ende seines Wirkens weniger Nachfolger hatte.

Um als Leiter einen Erfolg zu haben, muss man dafür vorbereitet sein, eine gewisse Reife muss entwickelt sein – mit Leiterschaft muss verantwortlich umgegangen werden. Man kann die Fähigkeit der Leiterschaft als ein Geschenk ansehen, es ist nämlich ein Geschenk. Doch ein Geschenk zu besitzen und mit dem Geschenk verantwortlich umzugehen, sind zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Für Autos, Taschenmesser und Handy gibt es Bedienungsanleitungen, aber keine Reifetests für den Besitzer.

Die Fähigkeit des Führen von Menschen schleudert gelegentlich soweit nach vorne, dass es die Fähigkeit übersteigt mit dem Tempo und mit den Zwängen des Erfolgs umzugehen. Die Gaben werden einem Türen öffnen. Der Charakter aber entscheidet, was man tut, wenn sich die Türen erst geöffnet haben.

Daher muss ein Leiter sich gezielt Zeit für seine Seele, für sein Herz nehmen. Zeit geben den eigenen Charakter zu entwickeln.

Als erstes kann helfen sich mit dem Ende zu befassen. Was sollen die besten Freunde bei der Beerdigung sagen? Und die Kinder? Und der Ehepartner? Was sollen die Kinder den Enkelkindern über einen erzählen? Wie sollen die Menschen, die einen am besten kannten, das Leben beschreiben. Mit anderen Worten: Was will man sein?

Dabei kann helfen für sich von Vorne rein festzulegen, was für einen selbst Erfolg ist. Damit der Charakter gebildet wird, ist es wichtig den Erfolg darin zu definieren, wer man ist und wie man die Menschen um einen herum behandelt. Dazu kann ein Wertekodex helfen: verfügbar, verantwortlich, verlässlich, großzügig, aufrichtig, loyal, lauter, einfühlsam und durchschaubar.

Wenn wir dann z.B. einen Vortrag halten und die Familie vernachlässigen, dann ist das nicht nur falsch oder eine falsche Priorität – sondern es ist der Gegensatz von Erfolg: Versagen.

Als zweites ist es hilfreich die Werte öffentlich zu machen. Charakter ist etwas persönliches, aber keine Privatsache. Jeder, den man kennt, hat einen Meinung über einen selbst. Warum also nicht die anderen wissen lassen, was man für eine Person werden will. Das stärkt einen selbst, ist es ein verstärkter Ansporn, jedes Verhalten zu überprüfen, dass einen dazu bringen könnte, die Grenzen zu überschreiten.
Der Charakter scheint immer durch. Warum sollte man also nicht darüber reden?

Der Ehrliche geht aufrichtig und sicher seinen Weg; ein Unehrlicher zerstört sich selbst durch seine Falscheit – Sprüche 11,3

Menschen führen kann man auch ohne Charakter. Doch Charakter macht einen zu einer Führungspersönlichkeit, die es wert ist, dass man ihr folgt.
Die Erfolge einer Führungskraft werden ihren Namen bekannt machen. Der Charakter wird bestimmen, was die Menschen mit diesem Namen verbinden.
Die Gaben und die Zielstrebigkeit mögen das Potenzial beherrschen, aber es ist der Charakter, der darüber entscheidet, welches Vermächtnis ein Leiter hinterlässt.
Die Menschen, die sich entscheiden, einem zu folgen, wollen, dass sie es auch wert sind. Sie beurteilen sie nicht so sehr danach, wohin geführt wurde, sondern wie geführt wurde.

In einer großen Studie unter Führungspersönlichkeiten wurde gefragt, welche Merkmale eine Führungskraft haben sollte, die es wert ist, dass man ihr folgt. Auf Platz eins stand “Aufrichtigkeit”. Das hat etwas mit Charakter zu tun.

Eine kurze Definition von Charakter lautet:

Charakter ist der Wille, das Richtige zu tun, selbst wenn es schwer fällt.

Den Willen zu haben – also Charakter zu haben, das Richtige zu tun, bringt eine menge Vorentscheidungen mit sich. Es muss vorher geklärt werden, was richtig und falsch ist. Eine Führungskraft mit Charakter wird dann unabhängig von eigenen Gefühlen, Intuition, Wirtschaftlichkeit, aktuellen Trends und, in den Augen mancher Leute, auch unabhängig vom gesunden Menschenverstand Entscheidungen fällen, die richtig sind.
Und genau das trennt Leute mit Charakter von denjenigen mit guten, aber verhandelbaren Absichten.

Es wird aber Zeiten geben, in denen der Weg zum Ziel und die eigenen Werte in einem Konflikt stehen. “Der Zweck heiligt die Mittel”, wird oft gesagt, aber das bedeutet Kompromisse zu machen. Es wird tausend Gründe geben, warum etwas die Gelegenheit des Lebens ist. Wenn man aber Vorentscheidungen gefällt und Überzeugungen entwickelt hat, wird es zwischendurch immer wieder eine leise Stimme geben, die kommentarlos sagt: “Das ist nicht richtig.”
Führungsaufgaben zu übernehmen und zugleich die Person zu sein, die man gerne sein möchte, lassen sich nicht immer miteinander vereinbaren.

Je höher eine Person in ihren Führungsaufgaben wächst, desto mehr besteht die Gefahr Kompromisse zu machen. Erfolg bringt den unerwarteten Druck mit sich, den Erfolg beizubehalten. Diesen Erfolg werden die Menschen um einen herum, dann auch als selbstverständlich ansehen. Erfolg beizubehalten erfordert eine Strategie, oft auf Kosten der eigenen Werte und Überzeugungen.

Mit Charakter zu führen heißt nicht, das Richtige zu tun, um die Konsequenzen zu meiden. Führungsleute, die die Loyalität der Mitarbeiter verdienen und erhalten, tun das Richtige, weil es das Richtige ist. Tugend ist kein Mittel zum Zweck. Sie ist der Zweck.

Jeder, der Führungsverantwortung übernimmt, trägt zwei Abzeichen: ein sichtbares und ein unsichtbares. Das sichtbare ist die Position und der Titel. Das unsichtbare ist die moralische Autorität.
Die Position veranlasst Menschen in der Organisation, einem zeitweilig ihre Hände zu leihen. Doch die moralische Autorität wird sie inspirieren, mit dem Herzen dabei zu sein. Moralische Autorität ist die Glaubwürdigkeit, die man sich verdient, wenn das Handeln mit dem Reden übereinstimmt. Die Übereinstimmung von Überzeugungen und Verhalten macht eine Führungskraft überzeugend.

Durch den TheoBlog bin ich auf die 10 Lektionen aus 50 Jahren Leiterschaft von Chuck Swindoll gekommen.

Ron hat die 10 Lektionen auch direkt übersetzt:

  1. Leiten bedeutet Einsamkeit. Führen schließt zähe Entscheidungen ein. Je zäher die Entscheidung, desto einsamer es ist.
  2. Es ist gefährlich, erfolgreich zu sein. Ich sorge mich am meisten um die, die noch nicht 30 und sehr begabt und erfolgreich sind. Manchmal gebraucht Gott jemanden von Jugend auf, aber gewöhnlich gebraucht er Leiter, die zerbrochen worden sind.
  3. Am härtesten ist es zu Hause. Niemand hat mir das am Seminar erzählt.
  4. Es ist ganz wesentlich, echt zu sein. Wenn irgendwo Falschheit gewöhnlich wird, dann ist es bei Leitern. Bleibe echt.
  5. Es ist schmerzhaft, gehorsam zu sein. Der Herr wird dich leiten einige Dinge zu tun, die Du Dir nicht auswählen würdest.
  6. Zerbrochenheit und Misserfolge sind notwendig.
  7. Die Gesinnung ist wichtiger als die Taten es sind. Deine Familie hat es Dir vielleicht nicht erzählt: Es ist anstrengend, in der Nähe von einigen von Euch zu sein. Eine schlechte Gesinnung überschattet gute Taten.
  8. Integrität verdunkelt das Image. Heute heben wir das Image (im Sinne des öffentlichen Gesamteindrucks) hervor. Aber es kommt darauf an, was hinter den Kulissen passiert.
  9. Gottes Wege sind besser als meine Wege.
  10. Die Ähnlichkeit mit Christus beginnt und endet mit Demut.