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Karlsruhe (DW EKD) – Die Diakonische Konferenz hat auf ihrer Tagung in Karlsruhe ein „Wort der Konferenz“ zum Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung verabschiedet

  1. Nach dem Rettungspaket für die Finanzwirtschaft ist es nun an der Zeit, den Sozialstaat zu stärken, so dass alle Menschen an der Gesellschaft und ihrem Wohlstand teilhaben können, statt seinem Abbau und wachsenden Finanzierungslücken zuzusehen. Ein Runder Tisch gegen Armut muss Politik, Wirtschaft, Beschäftigte, Kirchen und Wohlfahrtsverbände zusammenführen, um gemeinsam engagierte Schritte zur Armutsbekämpfung zu beraten und dabei Kinder und Jugendliche besonders in den Blick zu nehmen. Eine solche Initiative findet auch Unterstützung durch die EU-Strategie 2020, in der sich die Mitgliedsstaaten geeinigt haben, das Engagement gegen Armut und soziale Ausgrenzung zu fördern und konkrete Maßnahmen im Rahmen einer Europäischen Plattform zur Bekämpfung der Armut zu ergreifen.
  2. Kinder brauchen ausreichende Möglichkeiten zur Teilhabe und Bildungschancen durch gute Bildungs- und Betreuungsmöglichkeiten und pädagogische Angebote von Anfang an, damit sie gar nicht erst in den Kreislauf von Armut und Ausgrenzung geraten.
  3. Die soziale Infrastruktur muss verlässliche Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien bieten. Der Ausbau einer weitgehend beitragsfreien Sozial- und Bildungs-Infrastruktur ist eine Hauptforderung der Diakonie und ein wesentlicher Beitrag zur Teilhabe von allen Familien mit geringem oder ohne Einkommen. Weitere Steuersenkungen auf Kosten der sozialen Infrastruktur und der Kommunen, die diese anbieten, darf es nicht geben. Die Finanzierung der kommunalen Daseinsvorsorge muss dauerhaft gesichert werden.
  4. Ein personenbezogenes Bildungspaket für Familien, Kinder und Jugendliche muss zur Verbesserung der sozialen und kulturellen Teilhabe beitragen, wenn es an Geld und Chancen mangelt. Eine solche Leistung darf Kinder im Hartz-IV-Bezug nicht stigmatisieren. Auch der schulische Bedarf von Kindern und Jugendlichen muss abgedeckt sein.
  5. Besondere Hilfen müssen bereit stehen, wenn größere Anschaffungen wie z.B. eine Waschmaschine, ein Kinderfahrrad oder neue Kleidung für Familien eine unüberwindbare Hürde darstellen.
  6. Das Recht auf Wohnen und auf Sicherung des sozialen und kulturellen Existenzminimums muss angemessen und ohne Abschläge umgesetzt werden. Hilfen zum Wohnen müssen so ausgestaltet sein, dass sich die Wohngebiete mischen können und Kinder nicht in Gegenden aufwachsen müssen, in denen Perspektivlosigkeit zur Normalität wird.
  7. Zu einer gerechten Gesellschaft gehört auch der wohnortnahe und barrierefreie Zugang zu einer bedarfsgerechten und erschwinglichen gesundheitlichen Versorgung. Unser Gesundheitswesen muss sich besser auf Kinder und Erwachsene mit Behinderungen einstellen. Besonders chronisch kranke Menschen mit niedrigem Einkommen müssen durch eine erweiterte Härtefallregelung vor finanzieller Überlastung geschützt werden.
  8. Für Flüchtlinge muss dasselbe Recht auf Grundsicherung und soziale Unterstützung gelten. Kinder haben ein Recht auf Integration und Perspektiven von Anfang an.
  9. Die Integration in existenzsichernde Arbeit bleibt die wichtigste Aufgabe. Maßnahmen zur Eingliederung in Arbeit dürfen nicht gekürzt werden. Soziale Hilfen müssen durch Regelungen flankiert werden, die Lohndumping verhindern und ein Einkommen ermöglichen, von dem Familien leben können.
  10. Wer Hilfe braucht, muss mit Respekt und Würde behandelt, ermutigt und nicht durch Sanktionen unter Druck gesetzt werden. Gerade Kinder und Jugendliche lernen so, Hilfe anzunehmen, statt sich zu verweigern.

[via Fachkräfteportal für Jugendhilfe]

UPDATE
Ein Bündnis aus verschiedenen Organisationen und Wissenschaftler hat ebenfalls einige Ideen aufgeschrieben: 5-Punkte-Plan

Eine deutliche Zunahme der Jugendgewalt hat der Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann beobachtet. Im TV-Sender “Phoenix” plädierte er dafür, gewalttätigen Jugendlichen mit Liebe statt Strafen zu begegnen. Die Gewalt Jugendlicher zeige den schlechten Zustand der Gesellschaft, sagte er.


Foto: Michael Panse/ flickr

Der Kinderpsychologe Wolfgang Bergmann sieht eine klare Zunahme der Jugendgewalt in Deutschland. Das sagte er am Mittwoch in der Talkshow “Phoenix Runde” zum Thema “Ein Jahr nach Winnenden – Wird unsere Jugend immer brutaler?”, wie “Phoenix” am Donnerstag mitteilte. Bei gewalttätigen Jugendlichen stellte er eine “dissoziale, fast autistische Unfähigkeit zu kommunizieren” fest. Die Ursachen der zunehmenden Jugendgewalt seien gesellschaftlicher Natur: “Die Taten spiegeln einen restlosen Verfall, eine Hemmungslosigkeit unseres öffentlichen Lebens, unserer Kultur wider”.

Mehr Kontrolle, Disziplin und Strafen seien der falsche Weg, der Jugendgewalt entgegen zu wirken. Vielmehr seien emotionale Nähe, feste Bindung und Zuneigung der Schlüssel zu erfolgreicher Erziehung. “Liebe ist das einzige Präventionsprogramm, das wir organisieren und gestalten müssen, und zwar rechtzeitig. Wir müssen begreifen, wie die Kinder so kalt und dissozial geworden sind”, sagte Bergmann und weiter: “Alles wirkt besser als Disziplin und Strafe.”

Die Berliner Jugendrichterin Kirsten Heisig beklagt in der Talkshow einen Autoritätsverlust des Staates und sieht ebenfalls ein Absinken der Hemmschwelle zur Gewalt bei Kindern und Jugendlichen: “Die Laissez-faire-Strukturen sind überholt, wir müssen staatliche Institutionen in ihrer Handlungskompetenz stärken.” Die Richterin beobachtet dieselben Phänomene der Jugendgewalt in sozial schwachen Familien im gesamten Bundesgebiet. Als letztes Mittel helfe bei nicht-strafmündigen Tätern nur der Kindesentzug: “Wenn die Eltern sich um das Wohlergehen der Kinder und ihre Erziehung überhaupt nicht kümmern, gibt es zur Herausnahme aus der Familie keine Alternative”.

Wolfgang Bergmann ist Diplom-Pädagoge und Leiter des “Instituts für Kinderpsychologie und Lerntherapie” in Hannover. (pro)

[via]

Ich habe so eben das Buch “Deutschlands große Chance – Was sich Kinder wünschen und warum wir sie unbedingt ernst nehmen müssen” von Bernd Siggelkow und Wolfgang Büscher gelesen.

Der Gründer und der Pressesprecher der Kinderarche haben damit ihr drittes Buch herausgegeben. 2007 wurde das Buch “Deutschlands vergessene Kinder” und 2008 “Deutschlands sexuelle Tragödie” veröffentlicht. Gerade das letztere wurde viel diskutiert und hat einiges in Bewegung gebracht. Es zeigt die sexuelle Verwahrlosung vieler Kinder in Deutschland.

In dem neuen Buch geht es um die Wünsche und Träume der Kinder. In einer Studie wurden im Sommer 2008 200 Kinder zwischen 6 und 13 Jahren befragt. Über diese Studie hinaus gab es noch weitere Befragungen aus verschiedenen Teilen Deutschlands. Dabei ließen sich vor Allem bei sozial benachteiligten Kindern vier Hauptwünsche herauskristallisieren:

  • das Gefühl, willkommen zu sein
  • Zeit und Zuneigung von Erwachsenen
  • Förderung und Forderung
  • eine Perspektive

Nach diesen Hauptwünschen ist auch das ganze Buch aufgeteilt. Erst wird der Wunsch in ein paar Seiten beschrieben und anschließend gibt es Porträts von Kindern (insgesamt 22 Geschichten).
Im 5 Kapitel gibt es Infos und Tipps was die Gesellschaft, aber vor Allem jeder Einzelne machen kann. Auch hier gibt es dann Porträts mit Geschichten von Kindern, die durch Anstrengung von Einzelpersonen, Vereinen, Werken und Gemeinden einen guten Weg gehen konnten.

Ziel des Buches ist es aufzuzeigen welchen Stellenwert Kinder heute in unserer Gesellschaft haben und gerade warum es so wichtig ist über diesen Stellenwert und die Haltung nachzudenken. 1989 wurde die UN-Kinderrechtskonvention beschlossen, die sichern sollen, dass in allen UN-Mitgliedsstaaten diese Rechte gesichert werden. In Deutschland herrschen diese Rechte – jedoch haben lange nicht alle Kinder die gleichen Chancen.

Die Autoren warnen davor, dass wenn die Haltung der Gesellschaft gegenüber den Kindern sich nicht in den nächsten Jahren nicht ändert, Deutschland vor einem sozialen GAU steht. Denn die meisten Kinder werden in Hartz IV-Familien geboren und viele dieser Kinder werden selber zu Hartz IV Empfängern, da sie keine Perspektive vorgelebt kriegen, keine Chancen sehen, die Schule früher abbrechen…

Das Buch finde ich sehr gut zu lesen, die Abwechslung zwischen Informativen Teilen und den lebensnahen Berichten macht das Ganze ansprechend und malt die Situation gut vor Augen. Es geht dabei aber nicht darum, dass das Buch gut zu lesen und interessant ist. Lesen und Weglegen ist da nicht. Dazu ist das Thema zu wichtig.
Ich sehe da eine riesige Verantwortung und Möglichkeit für Christen in Deutschland! Dazu muss man nicht sofort ein Werk gründen wie die Kinderarche – aber man kann klein anfangen, indem man erstmal die Augen aufmacht und schaut was mit den Kindern vor Ort los ist. Das Buch motiviert und fordert dazu heraus – und das ist gut so!

weitere Rezensionen

wohl mit den Teens, Jugendlich unserer Zeit umgehen? Ich mag diese “Wie würde Jesus….”-Fragen normalerweise gar nicht ausstehen. Es gibt sogar ein Buch “Wie würde Jesus Kinder erziehen.” Ich kenne das Buch nicht, aber allein der Titel – ne bitte nicht.
Durch meine Arbeit hier beim stoffwechsel bin ich seit einigen Tagen echt am überlegen. Wie würde Jesus mit den Teens und Jugendlichen umgehen. Jugendliche, die fast nur auf der Ebene der Beleidigung miteinander kommunizieren können, die über sexuelle Dinge reden, wo ich mir einfach an den Kopf packe.

Bin auf der anderen Seite auch hin und her gerissen. Auf der einen Seite brauchen diese Teens Grenzen und jemanden der ihnen einen Rahmen, eine Möglichkeit zeigt, wie es auch anders geht. Es gibt die Methode mit der Verwarnung und dann dem anschließenden Rauswurf (Gelb-Rot-Prinzip). Aber ist das dass richtige? Die werden doch fast überall raus geworfen, mache ich dann einen Unterschied?
Teens sind unterschiedlich, werde unterschiedlich erzogen – oder auch nicht und brauchen daher auch einen unterschiedlichen Umgang. Wie kann man das erreichen, ohne ungerecht zu werden?