Das Buch “Jesus” von Klaus Berger, dass ich vor knapp einem Jahr zu meinen aktuellen Büchern zählte, gehört immer noch zu meinen aktuellen Büchern. Es ist echt ein Buch, das in vielen Bereichen zum Nachdenken bringt, ermutigt, hinterfragt – manchmal auch provoziert.
Ein Kapitel in dem Buch befasst sich mit dem Märchen vom liebenden Gott.
Wer den Leuten verkündet, Gott ist die Liebe und nichts als die Liebe, der muss sich nicht wundern, wenn es entweder mit dem Evangelium oder mit der Welt hinten und vorne nicht stimmt. Dann muss man die Wirklichkeit der Welt oder den lieben Gott so lange zurechtreden, bis die Fragen aufhören – oder man hüllt das Absurde gleich in Schweigen und verkauft seine Hilflosigkeit als Kraft des Glaubens.
Ausgangspunkt ist das Leid, die Katastrophen in der Welt und das damit verbundene Verständnis des liebenden Gottes.
Ist in der Bibel wirklich nur von Liebe die rede? Ich denke nein, das Alte Testament ist voll von Geschichten, dass Gott ist heilig.
Heilig, das heißt erschütternd, befremdlich, gefährlich, in die Knie zwingend, groß und unfassbar
Gott ist heilig und ein vor ihm treten ist eigentlich unmöglich. Das wird durch das “heilige erschrecken” z.B. in der Geschichte des Moses vor dem brennenden Dornenbusch deutlich. Dieses Erschrecken hat aber absolut gar nichts mit einer panischen krankmachenden Angst zutun, die es aber auch zu oft gab.
Wie also soll ich mit Gott umgehen, in dieser Spannung des lieben und doch heiligen und erschreckenden Gottes leben?
Berger schreibt dazu:
- Gott so liebem, dass man nichts anderes zu viel liebt.
- Gott so fürchten, dass man vor nichts anderem zu viel Angst hat.
