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Durch die letzten Ausgabe der dran musste ich über die Gnade Gottes nachdenken. In den verschiedenen Artikel (z.B. Begnadigt, nicht berechtigt) geht es immer wieder darum, dass Gnade nicht die Voraussetzung der Buße und des Bekenntnisses hat. Gnade ist einfach da. Das sehen wir in Geschichten von der Ehebrecherin in Joh. 8 oder bei dem Mann, der von seinen Freunden über das Dach zu Jesus gebracht wird. Jesus vergibt.
Und wir lesen nicht, dass diese Menschen in irgendeiner Weise vorher ihr bisheriges Leben bereut und bekannt haben.

Gnade überrascht. Gnade kommt immer als erstes.

Gestern habe ich dann noch Römer 2,4 gelesen:

Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Nachsicht und erkennst du nicht, dass Gottes Güte dich zur Buße führen will?

Gnade überrascht. Sie ist einfach da. Sie kommt als erstes.

Gott ist derjenige, der seine Hand uns als erstes entgegenstreckt. Und der Mensch kann zu packen. Sich helfen lassen. Aufhelfen und weitergehen.
Das ist der Schritt der Buße/Umkehr. Umkehr und Sinnesänderung ist der Schritt zu dem Gott uns führen möchte. Es ist der Moment, in dem wir gestärkt durch Gottes Hand aufstehen und weitergehen.

Zu erst die Gnade. Einfach so. Ohne Voraussetzung. Sie ist einfach da. Gott ist einfach da. Immer.

Ich habe einen sehr interessanten Gedanken in Bonhoeffers Buch “Nachfolge” gelesen (s. 297ff.). Ich glaube hier ist auch eine gute Möglichkeit Muslimen zu erzählen, warum Gott Menschen werden musste.

Gott schuf einst Adam zu seinem Ebenbild. Gott suchte in Adam als der Vollendung seiner Schöpfung das Wohlgefallen an seinem eigensten Bild, “und siehe es war sehr gut” (1.Mose 1,31). In Adam erkannte Gott sich selbst. So ist es das unauslöschliche Geheimnis des Menschen von Anfang an her, dass er Geschöpf ist und doch dem Schöpfer gleich sein soll. Der geschaffene Mensch soll das Bild des ungeschaffenen Gottes tragen. Adam ist wie Gott. Nun soll er sein Geheimnis, Geschöpf und doch gottgleich zu sein, dankbar und gehorsam tragen. Es war die Lüge der Schlange, dass sie Adam vorhielt, er müsse erst noch werden wie Gott, und zwar aus eigener Tat und Entscheidung.
Da verwarf Adam die Gnade und erwählte die eigene Tat. Adam wollte das Geheimnis seines Wesens, Geschöpf und gottgleich zu sein, selbst lösen. Er wollte von sich aus werden, was er von Gott her schon war. Das war der Sündenfall. Adam wurde “wie Gott” – sicut deus- in seiner Weise. Er hatte sich selbst zum Gott gemacht und hatte jetzt keinen Gott mehr. Er herrschte allein als Schöpfergott in einer entgotteten, unterworfenen Welt.
Aber das Rätsel seines Daseins bleibt ungelöst. Der Mensch hat sein eigenes, gottgleiches Wesen, das er von Gott hatte, verloren. Er lebt nun ohne seine wesentliche Bestimmung, Gottes Ebenbild zu sein. Der Mensch lebt, ohne Mensch zu sein. Er muss leben, ohne leben zu können. Das ist der Widerspruch unseres Daseins und die Quelle aller unserer Not.
Seitdem suchen die stolzen Kinder Adams das verlorene Bild Gottes aus eigner Kraft in sich wiederherzustellen. Aber gerade je ernster, je hingebender ihr Streben, das Verlorene wiederzugewinnen, und je überzeugender und stolzer der scheinbare Erfolg, desto tiefer der Widerspruch zu Gott.
Ihre Mißgestalt, die sie an dem Bild ihres selbsterdachten Gottes prägen, trägt ohne ihr Wissen mehr und mehr das Bild Satans. Das Ebenbild Gottes als die Gnade des Schöpfers bleibt auf dieser Erde verloren.
Aber Gott wendet sein Auge nicht von seinem verlorenen Geschöpf. Er will in ihm sein Bild zum zweiten Mal schaffen. Gott will wieder Wohlgefallen haben an seinem Geschöpf. Er sucht an ihm sein eignes Bild, um es zu lieben. Aber er findet es nicht, als indem er selbst aus lauter Barmherzigkeit das Bild und die Gestalt der verlorenen Menschen annimmt. Gott muss dem Menschenbild gleich werden, weil der Mensch dem Bilde Gottes nicht mehr gleich werden kann.
Gottes Bild soll im Menschen wieder hergestellt werden.
Dabei geht es um ein Ganzes. Nicht das der Mensch wieder rechte Gedanken über Gott habe, nicht dass er seine einzelnen Taten wieder unter Gottes Wort stelle, sondern dass er als Ganzheit, als lebendiges Geschöpf Gottes Bild sei, ist das Ziel und die Bestimmung. Leib, Seele und Geist, die ganze Gestalt des Menschen soll das Bild Gottes auf Erden tragen.

Ich glaube das Satan uns auch gerade oft an diesem Punkt angreift. Er will uns, wenn wir uns für Jesus entschieden haben, einflößen, dass wir keine Kinder Gottes sind. Das wir immer noch genug Sünde an uns haben usw. Er greift unsere Identität, wie wir vor Gott stehen, an , weil er weiß, dass das das Fundament ist.

Ein Mann war seit Jahren mit Gott befreundet, und sie redeten viel. Als der Mann einmal im Wald spazieren ging, bat er Gott: “Lass mich die Welt sehen, wie du sie siehst!”
“Das geht nicht,” sagte Gott. “Dazu müsstest du ich sein.”
“Und in abgeschwächter Form, kannst du es mir nicht in abgeschwächter Form zeigen?”
“Das hältst du nicht aus.”
“Bitte! Lass mich die Welt sehen, wie du sie siehst, aber so, dass ich es aushalte.”
Da sah er plötzlich Tannenmeisen in den Zweigen nisten, hoch über sich, und er freute sich unbeschreiblich über die Tannenmeisen. Er hörte das friedliche Rauschen der Baumwipfel. Im Moos glitzerten Tautropfen. Käfer krabbelten über den Waldboden. Tief im Erdreich grub eine Maus ihre Gänge, er war entzückt. über die Maus, und über die Würmer, nur, dass die Maus die Würmer fraß, versetzte ihm einen Stich. Ein Reh versteckte sich im Gebüsch, nicht weit weg von ihm. Er wollte es zu sich rufen und ihm über das Fell streicheln.
“Das ist gar nicht so schlecht”, lachte er, “lass mich mehr sehen, ich verkrafte es!”
“Komm mit”, sagte Gott.

Helles Licht blendete ihn. Er fand sich unvermittelt in einer Kleinstadt wieder, und sah einen Mann, der eine Frau küsste, die nicht seine war. Es schmerzte ihn so sehr, dass er keine Luft bekam. Die Frau des Küssenden war klug und gutherzig, warum liebte er diese andere, warum wollte partout die Verbotene haben? Er machte sich das Leben kaputt, und seine Frau saß zu Hause und weinte sich die Augen aus. Da war eine Jugendliche, die sich mit zitternden Fingern eine Kanüle zwischen die Zehen stach, sie weinte, sie wollte nicht mehr leben, nicht mehr süchtig sein. “Ich weiß einen Ausweg”, rief er, “warte, tu es nicht!” Aber das Heroin floss in ihre Adern, und das Weinen hörte auf, und er musste zusehen, und er musste zusehen, wie ihr Leben zerbrach. “Gott”, ächzte er.

Eine alte Frau stahl im Kaufhaus, ein betrunkener Vater verprügelte seine Tochter, eine Mutter warf ihren Säugling fort. Ein Penner erfror auf der Parkbank. Ein Vierundzwanzigjähriger schlitterte mit seinem Motorrad aus der Kurve und krachte gegen einen Baum. Ein Mann entließ vierhundert Mitarbeiter und wurde reich, und jene hatten nichts mehr.

Dann war es ihm, als würde sich selbst von außen sehen. Und er war traurig darüber, dass er blind war und taub war, dass er Dinge nicht sah, nicht staunte, obwohl es bestaunenswerte Dinge waren, nicht half, obwohl jemand in einer Notlage steckte. Tränen liefen ihm über die Wangen und er flüsterte:
“Wie hältst du aus?”
“Liebe”, sagte Gott.

Titus Müller, dran Magazin, Ausgabe Nr. 8/10

Jeder zweite Jugendliche in Deutschland glaubt offenbar an Gott und ein Leben nach dem Tod. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung, bei der 7.000 junge Menschen im Alter von 14 bis 21 Jahren nach ihren Glaubensansichten befragt wurden.

Was glauben Jugendliche?
Quelle: fotolia

Die Umfrage, bei der Jugendliche einen Online-Fragebogen ausfüllen konnten, fand im Rahmen des Religionsmonitors der Gütersloher Bertelsmann Stiftung statt. Der Religionsmonitor untersucht weltweit Fragen von Religiosität und Glaube. Er wurde von Religionswissenschaftlern, Soziologen, Psychologen und Theologen entwickelt und 2007 zum ersten Mal durch Umfragen durchgeführt.

Wie die Stiftung weiter mitteilte, seien mehr als die Hälfte der christlichen Jugendlichen davon überzeugt, dass Gott keine menschliche Idee, sondern ein personales Gegenüber ist. Selbst rund zehn Prozent der Konfessionslosen teilten diese Ansicht.

Rund die Hälfte der jungen Christen hat die Gegenwart Gottes im eigenen Leben schon erfahren. Bei den Konfessionslosen sind es gut 15 Prozent. “Liebe” verbinden mit Gott über 50 Prozent der 14- bis 17-jährigen Katholiken, bei den evangelischen Gleichaltrigen sind es gut 40 Prozent. Bei den 18- bis 21-Jährigen sagen das rund zwei Drittel der katholischen und rund 47 Prozent der evangelischen Christen.

Unterschiede bei Protestanten und Katholiken

Katholiken von 14 bis 17 Jahren glauben zu 41 Prozent “stark” und fast 40 Prozent “mittelstark” an Gott. Bei den Evangelischen sind von den 14- bis 17-Jährigen 35 Prozent “stark” und weitere 40 Prozent “mittelstark” glaubend. Für über die Hälfte der jungen Katholiken hat die Mitfeier der Gottesdienste mittlere beziehungsweise hohe Bedeutung. Bei den evangelischen Jugendlichen sind es 39 bis 43 Prozent. Das private Gebet ist für 60 bis 65 Prozent der jungen Katholiken wichtig. Bei den evangelischen Jugendlichen sind es rund 50 Prozent.

VON: AD | 16.12.2009