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Ich lese gerade das Buch Ethik von Dietrich Bonhoeffer und zu Beginn schreibt er über das “Denken in zwei Räumen”.
Diese zwei Räume bestehen in dem Denken, dass in der Welt zwei Räume, zwei Bereiche dauernd aneinander stoßen. Zum einen ein göttlicher, heiliger, übernatürlicher, christlicher Raum und zum anderen ein weltlicher, profaner, natürlicher und unchristlicher Raum.

So schreibt er davon, dass der Mensch immer dazu neigt, sich in einen der beiden Räume zu stellen.

Er will Christus ohne die Welt oder die Welt ohne Christus. In beiden Fällen betrügt er sich selbst. Oder aber der Mensch will in beiden Räumen zugleich stehen und wird damit der Mensch des ewigen Konflikts, wie ihn die nachreformatorische Zeit hervorgebracht hat und wie er sich selbst immer wieder als die einzige Wirklichkeit gemäße Gestalt christlicher Existenz ausgegeben hat.

Seine These, die er dann weiter aufschlüsselt ist:

Es gibt nicht zwei Wirklichkeiten, sondern nur eine Wirklichkeit, und das ist die in Christus offenbargewordene Gotteswirklichkeit in der Weltwirklichkeit.

Nicht zwei miteinander konkurrierende Räume stehen neben einander und machen sich gegenseitig die Grenzen streitig, so dass die Grenzfragen immer wieder die entscheidenden der Geschichte wären, sondern die ganze Weltwirklichkeit ist bereits in Christus hineingezogen, in ihm zusammengefaßt und nur von dieser Mitte her und auf diese Mitte hin geht die Bewegung der Geschichte.

In den nächsten Sätzen beschreibt er diese Gedanken ausführlicher, auch unter dem Gesichtspunkt der Theologie im Laufe der Kirchengeschichte.

Zum Schluss wird es praktischer. Er bezieht das ganze zum einen auf den Christen persönlich, dann aber auch auf die Rolle der Kirche unter diesem Gesichtspunkt:

Wer sich zu der Wirklichkeit Jesus Christi als der Offenbarung Gottes bekennt, der bekennt sich im selben Atemzug zu der Wirklichkeit Gottes und zu der Wirklichkeit der Welt; denn er findet in Christus Gott und die Welt versöhnt. Eben darum aber ist der Christ auch nicht mehr der Mensch des ewigen Konflikts, sondern wie die Wirklichkeit in Christus eine ist, so ist er, der zu dieser Christuswirklichkeit gehört, auch selbst ein Ganzer. Seine Weltlichkeit trennt ihn nicht von Christus, und seine Christlichkeit trennt ihn nicht von der Welt. Ganz Christus angehörend steht er zu gleich ganz in der Welt.

Und über die Kirche:

…So ist auch die Kirche Jesu Christi der Ort – das heißt der Raum – in der Welt, an dem die Herrschaft Jesu Christi über die ganze Welt bezeugt und verkündigt wird. Dieser Raum der Kirche ist also nichts für sich selbst Bestehendes, sondern etwas immer schon weit über sich Hinausgreifendes, eben weil es nicht der Raum eines Kulturvereins ist, der um seinen eigenen Bestand in der Welt zu kämpfen hätte, sondern weil es der Ort ist, an dem von Begründung aller Wirklichkeit in Jesus Christus Zeugnis gegeben wird. Die Kirche ist der Wort wo bezeugt und ernstgenommen wird, daß Gott die Welt in Christus mit sich selbst versöhnt hat, daß Gott die Welt so geliebt hat, daß er seinen Sohn für sie gab.
…Die Kirche kann ihren eigenen Raum auch nur dadurch verteidigen, daß sie nicht um ihn, sondern um das Heil der Welt kämpft. Andernfalls wird die Kirche zur “Religionsgemeinschaft”, die in eigener Sache kämpft, und damit aufgehört hat, Kirche Gottes in der Welt zu sein.

Für das IGW Studium lese ich gerade einen EKD Text mit dem Namen “Gott in der Stadt –
Perspektiven evangelischer Kirche in der Stadt”
und habe ein paar sehr interessante Stellen herausgelesen:

Die evangelische
Kirche soll in der modernen Stadt ein überzeugender Ort für das Innehalten vor
Gott sein. (S. 48)

Nur eine lernende Kirche kann eine missionarische Kirche werden. (S.49)

Es ist daher der Grundsatz jeder Begegnung zwischen Christen
und Nichtchristen, den anderen nicht als gottfern oder christusledig zu verstehen,
sondern als Menschen, in dem der Auferstandene sein Antlitz spiegeln kann.
Missionarisch formuliert geht es seit den Zeiten des Pietismus daher nicht darum,
Christus zu den Fernen und Fremden zu bringen, sondern es geht darum, ihn dort
zu entdecken und zu bezeugen. (S.50-51)

Mission ist hier allerdings nicht mit der missverständlichen Vorstellung verbunden, man müsse nur den Namen Jesu nennen, dann wachse die Gemeinschaft der Glaubenden schon an. Mission ist hier der Aufbruch der Kirche selbst, ihre Bereitschaft, sich durch die Ausrichtung auf „den Anderen“ selbst verändern zu lassen. Mission in diesem Sinne ist aufsuchende Bewegung und die Bereitschaft, das feste Gehäuse der gewohnten Begegnungsformen zu verlassen, ausgehend von der Zuversicht, dass Christus der gegenwärtigen Gestalt von Kirche voraus und auch
auf unbekannten Wegen zu erkennen und zu finden sei. (S.51)

Wo von Gott berufene Menschen aufhören, vor Gott zu fliehen und sie
der Stadt Bestes suchen, wie es in der Novelle des Jonabuches erzählt wird, werden sie die überraschende Gegenwart Gottes in dieser Welt erleben. (S.70)

Ich beschäftige mich in meinen Gedanken immer wieder mit dem Thema, welchen Einfluss die Jugendlichen, die ganze Jugendarbeit auf das Gemeindeleben haben. Gibt es Bereiche in der Gemeinde, die durch die Jugendarbeit verändert werden? Oder andersrum gibt es auch Bereiche in der Gemeinde, die zum Wohl der Jugendlichen verändert werden oder wo Veränderung zumindest toleriert werden.

Ich glaube, dass die Jugendarbeit einen sehr positiven Einfluss auf das Gemeindeleben haben kann und soll. Die Jugendarbeit kann die verändernde Kraft der Gemeinde sein (das es auch hier Grenzen gibt, ist klar…).

Damit das aber geschehen kann gibt es einige Faktoren, die dazu gehören:

  • Die Rolle der Gemeindeleitung
  • Die Rolle der älteren Gemeindemitglieder
  • Die Rolle der Eltern
  • Die Rolle der Jugendleitung
  • Die Rolle der Jugendlichen

Jugendarbeit, die Wege bahnt – vom Rand der Gesellschaft mitten in eine “Gemeinde für alle”

So heißt der Untertitel des Buches!

Wie kann meine Gemeinde offen und integrationsfähig werden?
Wie können sozial benachteiligte junge Menschen Jesus kennenlernen?
Was sind konkrete Schritte für den Aufbruch zum Nächsten in meiner Gemeinde?

Das Buch ist ein Buch aus der Praxis für die Praxis. Es geht um viele Beispiele und Ansätze, Fragen zur Reflexion und konkreten Hilfen.

Für das Buch wurden verschiedene Projekte interviewt, ausgewertet und die Erfahrungen dieser Projekte zusammengefasst.

Roland Werner, der auch das Vorwort geschrieben hat:

Viele Christen und Gemeinden in Deutschland wollen sich auf den Weg machen zu ihrem Nächsten und nicht länger die Augen vor den Nöten unserer Gesellschaft verschließen. Endlich gibt es auch ein Buch, das diesen “Aufbruch zum Nächsten” gerade unter jungen Menschen unterstützt. Es gibt wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Antworten darauf, wie Jugendliche vom Rand der Gesellschaft ein Teil der Gemeinde Jesu werden können. Die Beiträge aus verschiedenen Werken und Gemeinden sind ansteckend und inspirieren zur Nachahmung! “Ein Appell von Aktivisten der Liebe Gottes in unserer Zeit.”