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Durch die letzten Ausgabe der dran musste ich über die Gnade Gottes nachdenken. In den verschiedenen Artikel (z.B. Begnadigt, nicht berechtigt) geht es immer wieder darum, dass Gnade nicht die Voraussetzung der Buße und des Bekenntnisses hat. Gnade ist einfach da. Das sehen wir in Geschichten von der Ehebrecherin in Joh. 8 oder bei dem Mann, der von seinen Freunden über das Dach zu Jesus gebracht wird. Jesus vergibt.
Und wir lesen nicht, dass diese Menschen in irgendeiner Weise vorher ihr bisheriges Leben bereut und bekannt haben.

Gnade überrascht. Gnade kommt immer als erstes.

Gestern habe ich dann noch Römer 2,4 gelesen:

Oder verachtest du den Reichtum seiner Güte, Geduld und Nachsicht und erkennst du nicht, dass Gottes Güte dich zur Buße führen will?

Gnade überrascht. Sie ist einfach da. Sie kommt als erstes.

Gott ist derjenige, der seine Hand uns als erstes entgegenstreckt. Und der Mensch kann zu packen. Sich helfen lassen. Aufhelfen und weitergehen.
Das ist der Schritt der Buße/Umkehr. Umkehr und Sinnesänderung ist der Schritt zu dem Gott uns führen möchte. Es ist der Moment, in dem wir gestärkt durch Gottes Hand aufstehen und weitergehen.

Zu erst die Gnade. Einfach so. Ohne Voraussetzung. Sie ist einfach da. Gott ist einfach da. Immer.

Ein Mann war seit Jahren mit Gott befreundet, und sie redeten viel. Als der Mann einmal im Wald spazieren ging, bat er Gott: “Lass mich die Welt sehen, wie du sie siehst!”
“Das geht nicht,” sagte Gott. “Dazu müsstest du ich sein.”
“Und in abgeschwächter Form, kannst du es mir nicht in abgeschwächter Form zeigen?”
“Das hältst du nicht aus.”
“Bitte! Lass mich die Welt sehen, wie du sie siehst, aber so, dass ich es aushalte.”
Da sah er plötzlich Tannenmeisen in den Zweigen nisten, hoch über sich, und er freute sich unbeschreiblich über die Tannenmeisen. Er hörte das friedliche Rauschen der Baumwipfel. Im Moos glitzerten Tautropfen. Käfer krabbelten über den Waldboden. Tief im Erdreich grub eine Maus ihre Gänge, er war entzückt. über die Maus, und über die Würmer, nur, dass die Maus die Würmer fraß, versetzte ihm einen Stich. Ein Reh versteckte sich im Gebüsch, nicht weit weg von ihm. Er wollte es zu sich rufen und ihm über das Fell streicheln.
“Das ist gar nicht so schlecht”, lachte er, “lass mich mehr sehen, ich verkrafte es!”
“Komm mit”, sagte Gott.

Helles Licht blendete ihn. Er fand sich unvermittelt in einer Kleinstadt wieder, und sah einen Mann, der eine Frau küsste, die nicht seine war. Es schmerzte ihn so sehr, dass er keine Luft bekam. Die Frau des Küssenden war klug und gutherzig, warum liebte er diese andere, warum wollte partout die Verbotene haben? Er machte sich das Leben kaputt, und seine Frau saß zu Hause und weinte sich die Augen aus. Da war eine Jugendliche, die sich mit zitternden Fingern eine Kanüle zwischen die Zehen stach, sie weinte, sie wollte nicht mehr leben, nicht mehr süchtig sein. “Ich weiß einen Ausweg”, rief er, “warte, tu es nicht!” Aber das Heroin floss in ihre Adern, und das Weinen hörte auf, und er musste zusehen, und er musste zusehen, wie ihr Leben zerbrach. “Gott”, ächzte er.

Eine alte Frau stahl im Kaufhaus, ein betrunkener Vater verprügelte seine Tochter, eine Mutter warf ihren Säugling fort. Ein Penner erfror auf der Parkbank. Ein Vierundzwanzigjähriger schlitterte mit seinem Motorrad aus der Kurve und krachte gegen einen Baum. Ein Mann entließ vierhundert Mitarbeiter und wurde reich, und jene hatten nichts mehr.

Dann war es ihm, als würde sich selbst von außen sehen. Und er war traurig darüber, dass er blind war und taub war, dass er Dinge nicht sah, nicht staunte, obwohl es bestaunenswerte Dinge waren, nicht half, obwohl jemand in einer Notlage steckte. Tränen liefen ihm über die Wangen und er flüsterte:
“Wie hältst du aus?”
“Liebe”, sagte Gott.

Titus Müller, dran Magazin, Ausgabe Nr. 8/10

Die Ergebnisse der dranStudie 19plus: „Zukunftskompass“ für Gemeinden?

(Witten/ Marburg im November 2009) – Wie und wo leben Junge Erwachsene tatsächlich ihren Glauben? Sind sie faule Nörgler, die Gottesdiensten und Predigten nichts abgewinnen können? Gemeindefrustrierte, die lieber unter sich bleiben? Die dranStudie 19plus wollte Schluss machen mit vagen Vermutungen. In der aktuellen dran erscheint jetzt die Auswertung – mit überraschenden Ergebnissen.

Ein Jahr ist es her, dass die Zeitschrift dran das marburger Forschungsinstitut für Jugend und Religion empirica mit der dranStudie 19plus beauftragt hat. Ziel der Studie war es, die Situation von Jungen Erwachsenen im Kontext von Gemeinden zu untersuchen, um zu klären, wo Junge Erwachsene ihre geistliche Heimat verorten. Die Umfrage wurde in zwei Teilen durchgeführt. Im ersten Teil wurden Anfang 2009 haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und im zweiten Teil im Frühjahr 2009 19- bis 29-jährige Christen befragt. An der deutschlandweit angelegten Erhebung haben insgesamt 2.825 Personen aus den unterschiedlichsten zumeist protestantischen Kirchen und Gemeinden teilgenommen. Nach der ersten Einschätzung der rund 300 Jugendmitarbeiter, sei die Gemeinde für die Jungen Erwachsene keine geistliche Heimat mehr. Nur jeder sechste Befragte glaubte, dass sich Junge Erwachsene in der Gemeinde wohlfühlen. Doch die Umfrage unter den Jungen Erwachsenen zeichnet ein anderes Bild.

Was Junge Erwachsene tatsächlich von Gemeinde halten

Denn junge Christen leben laut Studie gerne in der Gemeinde: 93,6 % der Befragten finden es wichtig mit anderen Christen ihren Glauben zu leben. Und 76,5 % geben an, nicht ohne Gemeindeanschluss ihren Glauben ausleben zu können. Diese Begeisterung gilt dabei nicht nur neuen Bewegungen und jungen Gemeindegründungen – laut Studie fühlen sich die Jungen Erwachsene auch in etablierten Kirchen und Freikirchen zu Hause. Und dort engagieren sie sich zudem überdurchschnittlich stark: Fast 80 % arbeiten in der Gemeinde mit.

Trotzdem blicken Junge Erwachsene auch kritisch auf Gemeinde und den dort gelebten Glauben. Gerade die missionarische Ausrichtung sehen die 19- bis 29-Jährigen kaum, obwohl sie sich diese wünschen. Sie wollen selbst ihren Glauben in Alltag authentisch leben, scheitern jedoch oft an ihren hohen Idealen. Hier vermissen Junge Erwachsene die Unterstützung und Begleitung aus der Gemeinde – beispielsweise in Form von Mentoring oder Zweierschaften. Dabei wollen die 19- bis 29-Jährigen nicht nur unter sich bleiben: Junge Erwachsene wünschen sich laut Studie ausdrücklich den Kontakt zu anderen Generationen.


Wie Gemeinden von den dranStudie plus19-Ergebnisse profitieren können

Für Dr. Tobias Faix, Leiter des Instituts empirica, war die Diskrepanz zwischen der ersten Umfrage unter Jungendmitarbeitern und der zweiten unter den Jungen Erwachsenen überraschend. Faix sieht hier Redebedarf. „Mir scheint es nach den Ergebnissen der Umfrage bitter nötig zu sein, dass sich in den Gemeinden Verantwortliche mit den Jungen Erwachsenen zusammen setzen und reden. Für solche Gespräche gibt die dranStudie eine gute Grundlage. Auch Leitungsteams von Gemeinden können damit überlegen: Wie stehen wir konkret in der Gemeinde zu den Ergebnissen? Wie sieht das bei uns aus?“ Die 19- bis 29-Jährigen seien, so Faix, eine heranwachsende Generation, die nicht in das bisherige Klischee passe. „Für Gemeinden kann die dranStudie ein Zukunftskompass sein, der dabei helfen kann diese Generation einzuschätzen und einzubinden.


Ausführliche Auswertung der dranStudie 19plus

Weitere Ergebnisse und die Auswertung der dranStudie 19plus gibt es in der aktuellen Ausgabe von dran, die am 5. November erscheint. (Diese Ausgabe ist auch in Zehnerpacks für Gruppen und Gemeinden erhältlich). Darüber hinaus ist für Januar 2010 ein dran-Sonderheft mit ausführlicheren Forschungsergebnissen, Tabellen und Analysen zur Studie geplant. Weitere Informationen und Bestellmöglichkeiten unter www.bvzeitschriften.de.

[offizielle Pressemitteilung via bundes-verlag ]


Nicht nur barmherzig ein paar Münzen spenden, sondern grundlegend was gegen unfaire Lebensbedingungen tun. Ein Plädoyer, diesoziale Dimension von Gottes Evangelium wieder anzupacken.

Ein ganz normaler Sabbattag. Jesus geht wie gewohnt in die Synagoge von Nazareth. Ihm eilt bereits sein Ruf voraus und man fragt sich: „Wer genau ist dieser Mann?“ Was er bisher in den umliegenden Synagogen gelehrt hat, kann man nur vermuten. Dieser Tag wird kein normaler bleiben. Denn er macht klare Ansagen. Und handelt sich richtig Ärger ein. Er steht auf, lässt sich das Buch Jesaja geben und liest: „Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt mit dem Auftrag, den Armen gute Botschaft zu bringen, den Gefangenen zu verkünden, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen werden, den Unterdrückten die Freiheit zu bringen, und ein Jahr der Gnade des Herrn auszurufen.“

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