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Nach langem gibt es heute wieder etwas aus dem Buch “Gemeinsames Leben” von Dietrich Bonhoeffer.

Ich lese gerade das Kapitel über Dienst in der Gemeinschaft.
Bonhoeffer schreibt darüber, dass oft die Neigung dazu besteht zu sagen, dass der einzig wahre Dienst, der Dienst am Wort Gottes sei.

Das stimmt so aber nicht ganz und daher schreibt Bonhoeffer folgendes:

Der erste Dienst, den einer dem anderen in der Gemeinschaft schuldet, bestehr darin, dass er ihn anhört. Wie die Liebe zu Gott damit beginnt, dass wir sein Wort hören, so ist es der Anfang der Liebe zum Bruder, dass wir lernen auf ihn zu hören.
Es ist Gottes Liebe zu uns, dass er uns nicht nur sein Wort gibt, sondern uns auch sein Ohr leiht. So ist es sein, Werk, dass wir an unserem Bruder tun, wenn wir lernen, im zuzuhören.
Christen, besonders Prediger, meinen so oft, sie müssten immer, wenn sie mit andern Menschen zusammen sind, etwas “bieten”, dass sei ihr einziger Dienst. Sie vergessen, dass Zuhören ein größerere Dienst sein kann als Reden. Viele Menschen suchen ein Ohr, dass ihnen zuhört und sie finden es unter den Christen nicht, weil diese auch dort reden, wo sie hören sollten.
Wer aber seinem Bruder nicht zuhören kann, der wird auch bald Gott nicht mehr zuhören, sondern er wird auch vor Gott immer nur reden. Hier fängt der Tod des geistlichen Lebens an, und zuletzt bleibt nur noch das geistliche Geschwätz, die pfäffische Herablassung, die in frommen Worten erstickt.
Wer nicht lange und geduldig zuhören kann, der wird am Anderen immer vorbei reden und es selbst schließlich gar nicht merken.

Bonhoeffer schreibt über die Bedeutung der Bibel im ganzheitlichen Sinne. Zuerst schreibt er etwas über die Psalmen und kommt dann darüber, dass oft einzelne Verse aus den Psalmen als Losungen gelesen werden und viele Christen sich damit zufrieden geben, diese einzelnen Losungen zu lesen.

Die Heilige Schrift besteht nicht aus einzelnen Sprüchen, sondern sie ist ein Ganzes, das als solches zur Geltung kommen will. Als Ganzes ist die Schrift Gottes Offenbarungswort. Erst in der Unendlichkeit ihrer inneren Beziehungen, in dem Zusammenhang von Altem und Neuen Testament, von Verheißung und Erfüllung, von Opfer und Gesetz, von Gesetz und Evangelium, von Kreuz und Auferstehung, von Glauben und Gehorsam, von Haben und Hoffen wird das volle Zeugnis von Jesus Christus, dem Herrn, vernehmlich.

Es ist also wichtig die Bibel im Ganzen zu lesen und Bonhoeffer fragt sich, wie es denn sein kann, dass die Christen nach einem Kapitel schon genug haben? Jedes Mal beim Lesen der Bibel wird es einem zu lang vorkommen, wenn man die Bibel wirklich als Ganzes lesen will, da es unmöglich ist über jeden Einzelnen Vers oder Abschnitt das Ganze im Auge zu behalten.
Hilfreich hierbei ist es unterschiedlich zu lesen. Mal die Geschichtlichen Bücher, dann wieder Phropheten, Evangelien und Briefe, sowie die Offenbarung.

Wenn wir dies machen und die Bibel ernst lesen, “dann werden wir uns dort finden lassen, wo Gott zum Heil der Menschen ein für allemal gehandelt hat.”

Dort hat Gott an uns gehandelt und dort handelt er noch heute an uns, an unseren Nöten und Sünden durch Zorn und Gnade

Gott prägt den Menschen auf der Erde immer noch und am allermeisten hat er dies getan, in dem er sich in dem Leben von Jesus gezeigt hat. Hier hat er sich vollkommen gegenwärtig gezeigt und seine Hilfe im höchsten Maße erwiesen.
Daher ist es wichtiger zu wissen, was Gott an seinem Sohn Jesus Christus getan hat, als zu erforschen, was Gott heute mit mir vorhat.

Das Jesus Christus starb, ist wichtiger, als das ich sterbe, und das Jesus Christus von den Toten auferweckt wurde, ist der einzige Grund meiner Hoffnung, das auch ich auferweckt werde am jüngsten Tag.
Nur wer sich in Jesus Christus finden lässt, in seiner Menschwerdung, seinem Kreuz und seiner Auferstehung, der ist bei Gott und Gott bei ihm.

Die Bibel ist daher umso mehr bedeutender und heilsamer, weil darin Gottes Wirken auf der Erde mit den verschiedenen Personen, vor allem mit Jesus deutlicher wird. Ich sehe dort wie Gott gehandelt hat und daher kann ich sehen wie Gott an mir handeln wird.
“Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs ist der Gott und Vater Jesu Christi und mein Gott.”

Jeder einzelne Christ muss die Bibel daher wieder kennen lernen, sie als Fundament -nicht um des Heils willen- für Handeln im persönlichen und kirchlichen Sinne zu haben. “Nicht unser Herz entscheidet über unseren Weg, sondern Gottes Wort.”
Viel zu oft werden Entscheidungen, seien es Entscheidungen in der Gemeinde oder auch im persönlichen Leben, aufgrund Aussagen “aus dem Leben”, oder aus der “Erfahrung” gefällt, ohne einen Schriftbeweis bzw. Hinweise, Prinzipien in der Bibel zu finden. Womöglich würden sie ja in die entgegengesetzte Richtung führen.

Um es am Ende mit Bonhoeffer auf einen Punkt zu bringen:

Wer aber nicht lernen will, selbständig mit der Schrift umzugehen, der ist kein evangelischer Christ.

Wie nur Christus so zu mir sprechen konnte, das mir geholfen war, so kann auch dem Anderen nur von Christus selbst geholfen werden. Das bedeutet aber, dass ich den Anderen freigeben muss von allen Versuchen, ihn mit meiner Liebe zu bestimmen, zu zwingen, zu beherrschen. In seiner Freiheit von mir will der Andere geliebt sein als der, der er ist, nämlich als der, für den Christus Mensch wurde, starb und auferstand, für den Christus die Vergebung der Sünde erwarb und ein ewiges Leben bereitet hat.

…Geistliche Liebe erkennt, das wahre Bild des Anderen von Jesus Christus her, es ist das Bild, das Jesus Christus geprägt hat und prägen will.

Annahme unter Christen in der Gemeinde. Ein sehr wichtiges und interessantes Thema, worüber man viel reden und austauschen kann.
Ich finde das Konzept von Gemeinde, wie es die Bibel beschreibt, genial, weil es eben von Gott kommt. Da gibt es alle verschiedene Arten von Menschen, sei es jetzt rein äußerlich oder auch vom Charakter her und doch kommen sie miteinander klar. Bonhoeffer drückt dies sehr gut aus. Christen müssen einander als allererstes lieben und annehmen so wie der andere ist. Dann erst wenn diese Annahme geschehen ist, kann ich schauen wo ich ich vielleicht helfen kann, geistlich zu wachsen, Dinge im Leben auszuräumen die nicht mit Jesus im Einklang stehen etc.
Verändern wird Jesus diesen Menschen, ich kann da nur helfen, zur Seite stehen und für beten.

Ein anderer Punkt im Bezug auf Annahme ist die Annahme von kirchendistanzierten Menschen in der Gemeinde. Wie gehen unsere Gemeinden mit Menschen um, die nichts bis kaum etwas mit Kirche zutun, die die Gemeindeformen und Gottesdiensttraditionen nicht kennen? Erwecken wir als Gemeinde den Eindruck das Menschen erst einen gewissen Grad an Christsein, einen gewissen Grad ein Heiligkeit besitzen müssen um bei uns Willkommen zu sein, um bei Gott willkommen zu sein?

Einfach Frage zum Überprüfen: Wie geht ihr in euer Gemeinde mit Menschen um, die zum ersten Mal bei euch im Gottesdienst sind, die eine andere Frisur, ein total anderes (womöglich herausstechendes) Outfit anhaben? Glotzen alle diesen Menschen nur an oder wird auf ihn zugegangen, wird er begrüßt und zu weiteren Veranstaltungen eingeladen?

Worüber ich zuletzt mal nachgedacht habe, war die Frage, wie gehe ich mit einem Teeny, einem Jugendlichen um, der sich z.B. bei active-zone für Jesus entscheidet? Bringe ich diesen sofort in meine Gemeinde mit, oder versuche ich ihm zu helfen durch einen Hauskreis ein geistliches Fundament aufzubauen? Die Gefahr besteht ja, wenn ich ihn direkt in meine Gemeinde mitnehmen, das er von der Gottesdienstform, von der Tradition total abgeschreckt ist und dann voll abblockt. Wäre es vllt. ratsamer mit ihm zusammen eine Gemeinde zu suchen, die ihm gefällt, wo er sich wohlfühlt und durch die er geistlich reifen kann? Nicht jeder Christ muss in jeder Gemeinde klar kommen, genauso wenig, wie ich einen Menschen zu einer bestimmten Denomination oder Gemeindeform bekehren möchte…

Was meint ihr, habt ihr schon so etwas erlebt? Wie seid ihr damit umgegangen?

Jedes menschliche Wunschbild, das in die Gemeinschaft eingebracht wird, hindert die echte Gemeinschaft und muss zerbrochen werden, damit die echte Gemeinschaft leben kann. Wer seinen Traum von einer christlichen Gemeinschaft mehr liebt als die christliche Gemeinschaft selbst, der wird zum Zerstörer jeder christlichen Gemeinschaft, und ob er es persönlich noch so ehrlich meint, noch so ernsthaft und hingebend meint.

Wie recht der Bonhoeffer mit diesen Worten doch hat.

Ich selber habe vor kurzen einmal meinen Traum von Kirche aufgeschrieben und ich denke daran ist auch nichts falsch. Träume und Visionen sind gut, solange sie mit dem übereinstimmen was Gottes Vision für Kirche, Gemeinde für christliche Gemeinschaft ist. Das muss nicht immer identisch sein und wenn ich meine Vision als zu wichtig ansehe und zu provokativ angehe, dann kann es sein, dass ich wie Bonhoeffer es beschreibt zum Zerstörer der Gemeinschaft werde.

Es geht darum wie ich mit meinem Traum umgehe, wie er zustande kommt und wie ich ihn verbreite.

Er tritt als Fordernder in die Gemeinschaft der Christen, richtet ein eigenes Gesetz auf und richtet danach die Brüder und Gott. Wo sein Bild zunichte wird, sieht er die Gemeinschaft zerbrechen. So wird er erst zum Verkläger seiner Brüder, dann zum Verkläger Gottes und zuletzt zum Verkläger seiner selbst.

Bonhoeffer schreibt weiter, dass Gott schon den Grund unserer Gemeinschaft schon gelegt hat. Weil er uns schon längst, noch bevor in das gemeinsame Leben mit Christen eintreten, mit diesen schon zu einem Leib/Körper in Jesus Christus zusammengeschlossen hat, treten wir nicht als die Fordernden, sondern als die Dankenden und Empfangenden in die Gemeinschaft ein.

Diese Thema ist gar nicht so einfach zusammenzufassen und ich denke darüber lässt sich viel reden. Ich persönlich muss da auf jedenfall noch weiter nachdenken.