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Ich bin über das Fachkräfteportal der Kinder- und Jugendhilfe auf eine interessante Studie gestoßen.

Eine Millionen Kinder werden täglich weltweit in der Schule geschlagen, gemobbt und sexuell missbraucht. Welche enormen wirtschaftlichen und sozialen Kosten dadurch entstehen, hat das Kinderhilfswerk Plan International erstmals in einer Studie untersuchen lassen.

Im Rahmen seiner globalen Kampagne “Lernen ohne Angst” beauftragte Plan International das renommierte Overseas Development Institut (ODI) damit, in 13 Ländern (Brasilien, USA, Indien, Bolivien, Kolumbien, Dominkanische Republik, Ecuador, Ägypten, El Salvador, Guatemala, Jordanien, Nicaragua, Peru) die sozialen und wirtschaftlichen Folgekosten von Gewalt an Schulen zu untersuchen.

Allein in diesen 13 Ländern liegen die Kosten bei über 43 Milliarden Euro.

Das Fazit der Plan-Studie: Gewalt abzuschaffen kostet Engagement und Geld. Aber in ihre Abschaffung nicht zu investieren, kostet beträchtlich mehr. Das gilt für Entwicklungsländer ebenso wie für Industrienationen.

Spirale der Gewalt
Kinder, die in der Schule Gewalt erfahren, verdienen als Erwachsene in der Regel weniger, nehmen mehr Gesundheits- und andere Dienste in Anspruch und hemmen auf lange Sicht die wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Schläge, sexuelle Übergriffe und Mobbing gehören in vielen Ländern zum Schulalltag. In diese Gewalt wachsen Mädchen und Jungen hinein und werden dabei auch selbst zu Tätern. Gewalt an Schulen führt zu unentschuldigtem Fehlen, Leistungsschwäche und einer hohen Abbrecherquote.

“Gewalt an den Schulen bringt Kinder um ihre Zukunft und lässt sie in Armut verharren”, sagt Marianne M. Raven, Geschäftsführerin von Plan International in Deutschland. “Gewalt an Schulen bedeutet eine beträchtliche Last für den Staatsetat. Kein Land kann es sich leisten, diese Erkenntnisse zu ignorieren.”

Lernen ohne Angst – auch in Deutschland
Gegen die Gewalt an den Schulen startete Plan 2008 seine weltweite Kampagne “Lernen ohne Angst”. Die Erfahrungen aus den Entwicklungsländern wurden erstmals auch in drei Schulen in Norddeutschland mit Schülern umgesetzt. Erfolgreich führten Plan und das Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation (ikm) mit Schülern und Lehrkräften der Heinrich-Hertz-Schule und Erich Kästner Gesamtschule in Hamburg sowie des Schulzentrums Heimgarten in Schleswig-Holstein ein Projekt gegen Gewalt an Schulen durch.

Weltweit erreichte Plan International mit der Kampagne “Lernen ohne Angst” bislang Folgendes:

  • Fast 600.000 Kinder unterstützen die Kampagne
  • Über 390 Millionen Kinder profitieren von neuen Gesetzgebungen, die sie vor Gewalt schützen. Plan unterstützt aktiv die Entwicklung von Gesetzesentwürfen und Länderstrategien.
  • Die Abbrecherquote von Mädchen wurde in 22 Ländern reduziert, die von Jungen in 23 Ländern.
  • Rund 20.000 Lehrkräfte nahmen an Schulungen zu gewaltfreien Lehrmethoden teil.
  • 109.000 Familienangehörige lernten die Rechte der Kinder und Regeln der gewaltfreien Erziehung kennen.

Die ausführliche Studie von Plan International und dem Overseas Development Institut (ODI) findet sich unter dem unten beigefügten Hyperlink. Eine kurze Version von “Prevention pays – Prävention zahlt sich aus” findet sich hier: Kurzfassung

Die Bertelsmann Stiftung hat eine Studie veröffentlicht, die kurzgefasst sagt, dass es weniger Kriminalität gibt, wenn mehr Schüler den Abschluss schaffen.

Spiegel Online hat dazu einen Artikel mit vielen Grafiken geschrieben.

Grafik:

Karlsruhe (DW EKD) – Die Diakonische Konferenz hat auf ihrer Tagung in Karlsruhe ein „Wort der Konferenz“ zum Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung verabschiedet

  1. Nach dem Rettungspaket für die Finanzwirtschaft ist es nun an der Zeit, den Sozialstaat zu stärken, so dass alle Menschen an der Gesellschaft und ihrem Wohlstand teilhaben können, statt seinem Abbau und wachsenden Finanzierungslücken zuzusehen. Ein Runder Tisch gegen Armut muss Politik, Wirtschaft, Beschäftigte, Kirchen und Wohlfahrtsverbände zusammenführen, um gemeinsam engagierte Schritte zur Armutsbekämpfung zu beraten und dabei Kinder und Jugendliche besonders in den Blick zu nehmen. Eine solche Initiative findet auch Unterstützung durch die EU-Strategie 2020, in der sich die Mitgliedsstaaten geeinigt haben, das Engagement gegen Armut und soziale Ausgrenzung zu fördern und konkrete Maßnahmen im Rahmen einer Europäischen Plattform zur Bekämpfung der Armut zu ergreifen.
  2. Kinder brauchen ausreichende Möglichkeiten zur Teilhabe und Bildungschancen durch gute Bildungs- und Betreuungsmöglichkeiten und pädagogische Angebote von Anfang an, damit sie gar nicht erst in den Kreislauf von Armut und Ausgrenzung geraten.
  3. Die soziale Infrastruktur muss verlässliche Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien bieten. Der Ausbau einer weitgehend beitragsfreien Sozial- und Bildungs-Infrastruktur ist eine Hauptforderung der Diakonie und ein wesentlicher Beitrag zur Teilhabe von allen Familien mit geringem oder ohne Einkommen. Weitere Steuersenkungen auf Kosten der sozialen Infrastruktur und der Kommunen, die diese anbieten, darf es nicht geben. Die Finanzierung der kommunalen Daseinsvorsorge muss dauerhaft gesichert werden.
  4. Ein personenbezogenes Bildungspaket für Familien, Kinder und Jugendliche muss zur Verbesserung der sozialen und kulturellen Teilhabe beitragen, wenn es an Geld und Chancen mangelt. Eine solche Leistung darf Kinder im Hartz-IV-Bezug nicht stigmatisieren. Auch der schulische Bedarf von Kindern und Jugendlichen muss abgedeckt sein.
  5. Besondere Hilfen müssen bereit stehen, wenn größere Anschaffungen wie z.B. eine Waschmaschine, ein Kinderfahrrad oder neue Kleidung für Familien eine unüberwindbare Hürde darstellen.
  6. Das Recht auf Wohnen und auf Sicherung des sozialen und kulturellen Existenzminimums muss angemessen und ohne Abschläge umgesetzt werden. Hilfen zum Wohnen müssen so ausgestaltet sein, dass sich die Wohngebiete mischen können und Kinder nicht in Gegenden aufwachsen müssen, in denen Perspektivlosigkeit zur Normalität wird.
  7. Zu einer gerechten Gesellschaft gehört auch der wohnortnahe und barrierefreie Zugang zu einer bedarfsgerechten und erschwinglichen gesundheitlichen Versorgung. Unser Gesundheitswesen muss sich besser auf Kinder und Erwachsene mit Behinderungen einstellen. Besonders chronisch kranke Menschen mit niedrigem Einkommen müssen durch eine erweiterte Härtefallregelung vor finanzieller Überlastung geschützt werden.
  8. Für Flüchtlinge muss dasselbe Recht auf Grundsicherung und soziale Unterstützung gelten. Kinder haben ein Recht auf Integration und Perspektiven von Anfang an.
  9. Die Integration in existenzsichernde Arbeit bleibt die wichtigste Aufgabe. Maßnahmen zur Eingliederung in Arbeit dürfen nicht gekürzt werden. Soziale Hilfen müssen durch Regelungen flankiert werden, die Lohndumping verhindern und ein Einkommen ermöglichen, von dem Familien leben können.
  10. Wer Hilfe braucht, muss mit Respekt und Würde behandelt, ermutigt und nicht durch Sanktionen unter Druck gesetzt werden. Gerade Kinder und Jugendliche lernen so, Hilfe anzunehmen, statt sich zu verweigern.

[via Fachkräfteportal für Jugendhilfe]

UPDATE
Ein Bündnis aus verschiedenen Organisationen und Wissenschaftler hat ebenfalls einige Ideen aufgeschrieben: 5-Punkte-Plan

Passend zu der aktuellen Diskussion gibt es eine neue Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN).
Fazit hierbei ist, dass sich viele jugendlichen Türken Kontakt zu gleichaltrigen Deutschen wünschen, es jedoch auf der anderen Seite dies kaum gewünscht wird.

Nach einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), über die die Süddeutsche Zeitung berichtet, sind Türken bei deutschen Jugendlichen ausgesprochen unbeliebt – dagegen wünschen sich junge Türken durchaus Kontakt zu Deutschen. KFN-Direktor Christian Pfeiffer sieht in dieser Ablehnung einen der Gründe für Vorurteile türkischer Jugendlicher gegenüber Deutschen.

Die Untersuchung erhält besondere Brisanz durch die gegenwärtige Debatte um die Rolle der muslimischen Migranten und des Islam in Deutschland. Knapp 1600 türkischstämmige und mehr als 20.000 deutsche Jugendliche wurden im Rahmen der Studie gefragt, wen sie gerne als Nachbarn hätten. 40,9 Prozent der Türken sagten, sie fänden deutsche Nachbarn “sehr angenehm”, weitere 16,3 Prozent fänden sie “angenehm”. Neun Prozent lehnten deutsche Nachbarn ab.

Anders sah die Situation bei deutschen Jugendliche aus: nur 9,2 Prozent betrachteten es als “sehr angenehm”, wenn Türken neben ihnen wohnen würden; 38 Prozent wollen keine türkischen Nachbarn. Türken rangieren auf dem letzten Rang der Beliebtheitsskala, hinter Schweden, Italienern, Schwarzafrikanern, Juden und Osteuropäern. Pfeiffer resümiert: “Die Türken wünschen sich mehr Kontakt zu den Deutschen, aber die Deutschen zeigen ihnen die kalte Schulter”. Er sieht als möglichen Grund für die Ablehnung türkischer Jugendliche deren „Macho-Kultur“, mit denen viele deutsche Jugendliche ein Problem hätten.

Die Studie kommt weiterhin zu dem Ergebnis, dass Vorurteile gegenüber Deutschen umso geringer seien, je mehr Migranten und Deutsche Kontakt miteinander haben. Türkische Realschüler und Gymnasiasten äußerten darüber hinaus kaum Stereotypen gegenüber Deutschen. “Die sogenannte Deutschenfeindlichkeit von Muslimen ist ein Bildungsproblem.” sagt Pfeiffer.

[via Fachkräfteportal und Sueddeutschen Zeitung]

Dazu gab es heute auch einen Artikel zum Thema “Deutschenfeindlichkeit an Schulen” bei ZEITONLINE.