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Für das IGW Studium lese ich gerade einen EKD Text mit dem Namen “Gott in der Stadt –
Perspektiven evangelischer Kirche in der Stadt”
und habe ein paar sehr interessante Stellen herausgelesen:

Die evangelische
Kirche soll in der modernen Stadt ein überzeugender Ort für das Innehalten vor
Gott sein. (S. 48)

Nur eine lernende Kirche kann eine missionarische Kirche werden. (S.49)

Es ist daher der Grundsatz jeder Begegnung zwischen Christen
und Nichtchristen, den anderen nicht als gottfern oder christusledig zu verstehen,
sondern als Menschen, in dem der Auferstandene sein Antlitz spiegeln kann.
Missionarisch formuliert geht es seit den Zeiten des Pietismus daher nicht darum,
Christus zu den Fernen und Fremden zu bringen, sondern es geht darum, ihn dort
zu entdecken und zu bezeugen. (S.50-51)

Mission ist hier allerdings nicht mit der missverständlichen Vorstellung verbunden, man müsse nur den Namen Jesu nennen, dann wachse die Gemeinschaft der Glaubenden schon an. Mission ist hier der Aufbruch der Kirche selbst, ihre Bereitschaft, sich durch die Ausrichtung auf „den Anderen“ selbst verändern zu lassen. Mission in diesem Sinne ist aufsuchende Bewegung und die Bereitschaft, das feste Gehäuse der gewohnten Begegnungsformen zu verlassen, ausgehend von der Zuversicht, dass Christus der gegenwärtigen Gestalt von Kirche voraus und auch
auf unbekannten Wegen zu erkennen und zu finden sei. (S.51)

Wo von Gott berufene Menschen aufhören, vor Gott zu fliehen und sie
der Stadt Bestes suchen, wie es in der Novelle des Jonabuches erzählt wird, werden sie die überraschende Gegenwart Gottes in dieser Welt erleben. (S.70)


festpunkt

Ein Mann war seit Jahren mit Gott befreundet, und sie redeten viel. Als der Mann einmal im Wald spazieren ging, bat er Gott: “Lass mich die Welt sehen, wie du sie siehst!”
“Das geht nicht,” sagte Gott. “Dazu müsstest du ich sein.”
“Und in abgeschwächter Form, kannst du es mir nicht in abgeschwächter Form zeigen?”
“Das hältst du nicht aus.”
“Bitte! Lass mich die Welt sehen, wie du sie siehst, aber so, dass ich es aushalte.”
Da sah er plötzlich Tannenmeisen in den Zweigen nisten, hoch über sich, und er freute sich unbeschreiblich über die Tannenmeisen. Er hörte das friedliche Rauschen der Baumwipfel. Im Moos glitzerten Tautropfen. Käfer krabbelten über den Waldboden. Tief im Erdreich grub eine Maus ihre Gänge, er war entzückt. über die Maus, und über die Würmer, nur, dass die Maus die Würmer fraß, versetzte ihm einen Stich. Ein Reh versteckte sich im Gebüsch, nicht weit weg von ihm. Er wollte es zu sich rufen und ihm über das Fell streicheln.
“Das ist gar nicht so schlecht”, lachte er, “lass mich mehr sehen, ich verkrafte es!”
“Komm mit”, sagte Gott.

Helles Licht blendete ihn. Er fand sich unvermittelt in einer Kleinstadt wieder, und sah einen Mann, der eine Frau küsste, die nicht seine war. Es schmerzte ihn so sehr, dass er keine Luft bekam. Die Frau des Küssenden war klug und gutherzig, warum liebte er diese andere, warum wollte partout die Verbotene haben? Er machte sich das Leben kaputt, und seine Frau saß zu Hause und weinte sich die Augen aus. Da war eine Jugendliche, die sich mit zitternden Fingern eine Kanüle zwischen die Zehen stach, sie weinte, sie wollte nicht mehr leben, nicht mehr süchtig sein. “Ich weiß einen Ausweg”, rief er, “warte, tu es nicht!” Aber das Heroin floss in ihre Adern, und das Weinen hörte auf, und er musste zusehen, und er musste zusehen, wie ihr Leben zerbrach. “Gott”, ächzte er.

Eine alte Frau stahl im Kaufhaus, ein betrunkener Vater verprügelte seine Tochter, eine Mutter warf ihren Säugling fort. Ein Penner erfror auf der Parkbank. Ein Vierundzwanzigjähriger schlitterte mit seinem Motorrad aus der Kurve und krachte gegen einen Baum. Ein Mann entließ vierhundert Mitarbeiter und wurde reich, und jene hatten nichts mehr.

Dann war es ihm, als würde sich selbst von außen sehen. Und er war traurig darüber, dass er blind war und taub war, dass er Dinge nicht sah, nicht staunte, obwohl es bestaunenswerte Dinge waren, nicht half, obwohl jemand in einer Notlage steckte. Tränen liefen ihm über die Wangen und er flüsterte:
“Wie hältst du aus?”
“Liebe”, sagte Gott.

Titus Müller, dran Magazin, Ausgabe Nr. 8/10

Ich beschäftige mich in meinen Gedanken immer wieder mit dem Thema, welchen Einfluss die Jugendlichen, die ganze Jugendarbeit auf das Gemeindeleben haben. Gibt es Bereiche in der Gemeinde, die durch die Jugendarbeit verändert werden? Oder andersrum gibt es auch Bereiche in der Gemeinde, die zum Wohl der Jugendlichen verändert werden oder wo Veränderung zumindest toleriert werden.

Ich glaube, dass die Jugendarbeit einen sehr positiven Einfluss auf das Gemeindeleben haben kann und soll. Die Jugendarbeit kann die verändernde Kraft der Gemeinde sein (das es auch hier Grenzen gibt, ist klar…).

Damit das aber geschehen kann gibt es einige Faktoren, die dazu gehören:

  • Die Rolle der Gemeindeleitung
  • Die Rolle der älteren Gemeindemitglieder
  • Die Rolle der Eltern
  • Die Rolle der Jugendleitung
  • Die Rolle der Jugendlichen