Nach langem gibt es heute wieder etwas aus dem Buch “Gemeinsames Leben” von Dietrich Bonhoeffer.
Ich lese gerade das Kapitel über Dienst in der Gemeinschaft.
Bonhoeffer schreibt darüber, dass oft die Neigung dazu besteht zu sagen, dass der einzig wahre Dienst, der Dienst am Wort Gottes sei.
Das stimmt so aber nicht ganz und daher schreibt Bonhoeffer folgendes:
Der erste Dienst, den einer dem anderen in der Gemeinschaft schuldet, bestehr darin, dass er ihn anhört. Wie die Liebe zu Gott damit beginnt, dass wir sein Wort hören, so ist es der Anfang der Liebe zum Bruder, dass wir lernen auf ihn zu hören.
Es ist Gottes Liebe zu uns, dass er uns nicht nur sein Wort gibt, sondern uns auch sein Ohr leiht. So ist es sein, Werk, dass wir an unserem Bruder tun, wenn wir lernen, im zuzuhören.
Christen, besonders Prediger, meinen so oft, sie müssten immer, wenn sie mit andern Menschen zusammen sind, etwas “bieten”, dass sei ihr einziger Dienst. Sie vergessen, dass Zuhören ein größerere Dienst sein kann als Reden. Viele Menschen suchen ein Ohr, dass ihnen zuhört und sie finden es unter den Christen nicht, weil diese auch dort reden, wo sie hören sollten.
Wer aber seinem Bruder nicht zuhören kann, der wird auch bald Gott nicht mehr zuhören, sondern er wird auch vor Gott immer nur reden. Hier fängt der Tod des geistlichen Lebens an, und zuletzt bleibt nur noch das geistliche Geschwätz, die pfäffische Herablassung, die in frommen Worten erstickt.
Wer nicht lange und geduldig zuhören kann, der wird am Anderen immer vorbei reden und es selbst schließlich gar nicht merken.