Ich habe heute 1. Korinther 12 gelesen. Ein sehr spannendes Kapitel, dass mich viel inspiriert und fröhlich macht. Menschen mit unterschiedlichen Begabungen, Persönlichkeiten in einer Gemeinschaft, die dann auch wieder dafür bestimmt sind, einander zu ergänzen. An sich Wunderbar!
Das Kapitel hat mich aber auch zum Nachdenken über einige Dinge gemacht:
1. Die Geistesgaben erhalte ich als Christ bei der Wiedergeburt. Was sind das für Gaben? Sind das ganz neue Seiten am Menschen, die vorher nicht da waren. Wie schnell kann man herausfinden welche Gaben man hat. Wo ist die Schnittstelle zwischen Gaben und Talenten? Oder eignet sich der Heilige Geist die Talente für Gaben ein?
2. Kann ich beeinflussen welche Gabe ich habe, oder welche ich nicht habe? Paulus spricht in 1. Kor. 14,1 darüber, “dass man sich um die Geistesgaben, besonders um die Gabe der prophetischen Rede bemühen soll”.
3. Was ist mit den “weniger edlen Körperteilen” am Leib Christ, der Gemeinde gemeint? Wieso sind die weniger anständig und was ist das für eine Ausstattung, von der Paulus in V. 23 spricht.
4.Der Geist Gottes gibt jedem Christen mindestens eine Gabe, was ist wenn man mehrere hat? Passen die immer zusammen oder können die im Widerspruch miteinander stehen. Soll man sich für eine bestimmte Richtung entscheiden, und wenn ja wie? Inwiefern spielt hierbei eine “Berufung” eine Rolle?
Mit Sicherheit gibt es noch viel Gedanken und Sachen zu diesem Text zusagen. Einige Fragen, die ich gestellt habe, sind vielleicht auch nicht nötig, aber ich habe erstmal die Dinge aufgeschrieben, die mir durch den Kopf fliegen.
Was denkt ihr dazu?
1. Die Geistesgaben sind eine weitere Form der Talente. Jeder Mensch hat gewisse Talente. Und der Geist Gottes weiß auch wie man aus Talenten Gaben macht. Wer gut zuhören kann, kann auch gut Seelsorgen. Meiner Meinung nach ist es eine wichtige Vorrausetzung Menschen zuhören zu können um Seelsorger zu sein.
Und dies gilt für die anderen Gaben auch. Ohne passende Grundlage bekommt man keine Gaben, da man nicht dafür geeignet ist.
2. Den ersten Teil habe ich ja schon bei 1. beantwortet.
Die Gabe der Weissagung zu erhalten ist eine der größten Herausforderungen, die ein Mensch nur meistern kann.
Es fängt damit an, dass man Gott Bedingungslos vertrauen muss. Wer kein Vertrauen in Gottes Plan hat und seine Wege nicht versteht, kann ihm auch nicht vertrauen. Sowie D. Bonhöffer es in einem Lied(Von guten Mächten geborgen) formuliert hat, muss jeder, der bereit ist Gott voll zu vertrauen auch bereit sein für ihn die größten Qualen zu leiden. Und seien es auch nur mentale Qualen. Wer damit nicht klar kommen kann ist auch nicht in der Lage mit dieser Gabe zurecht zu kommen.
Zum anderen braucht man auch eine Menge Verantwortung. Welcher Christ will sich nicht durch diese Gabe bereichern? Es ist halt immer noch das Problem mit den Götzen. Wir beten leider immer noch zu viele andere Götzen an als Gott alleine zu vertrauen. Das streben nach Wohlstand und Glück in der Gesellschaft steht im krassen Widerspruch zu dem Wahren Leben. Bei mir ist es nicht viel anders, aber durch das wachsende Vertrauen wächst auch die Verantwortung.
Ich hab gelernt, dass diese beiden Dinge die wichtigsten Sachen sind. Und es gehört eine Menge Geduld dazu, da es einen überstrapazieren kann und man meistens zwischen Wahn und Wissenheit steht.
3. Was damit gemeint sein kann, weiß ich selber nicht genau. Aber ich denke, dass es diese Glieder sind, die andere Glieder brauchen damit sie nicht außer Kontrolle geraten. Vielleicht sind es Menschen, die einfach nur nach Macht streben.
4. Ich denke nicht, dass man nur eine Gabe hat. Ich habe mehrere Gaben und die sind in Harmonie. Zwei gegensätzliche Gaben fallen mir jetzt nicht ein. Kannst du es genauer beschreiben?
Entscheiden kann sich kein Mensch für eine Gabe. Jesus alleine vergibt sie, damit die Gemeinde wachsen kann und ein Leib sein kann.
Danke dir Juri für deine Antworten, zu deinem letzten Punkt: Ich weiß auch nicht ob es gegensätzliche Gaben gibt – persönlich denke ich nicht. Ob ich es besser beschreiben kann, weiß ich nicht. Aber angenommen jemand hat die Gabe der Seelsorge, er nimmt sich gerne und viel Zeit um mit personen zu reden, Zeit mit ihnen zu verbringen. Auf der anderen Seite sieht er aber auch noch viel Bedarf an Lehre in der Gemeinde und worüber man predigen müsste. Er steht dann vor der Frage, wo er mehr Zeit und Kraft einsetzen soll. Zeit mit Menschen oder Predigen?
Verständlich was ich meine?
Verständlich. Aber schon mal überlegt, dass beides auch kombinierbar ist? Wenn ein Mensch sehr viel Zeit mit Seelsorgen verbringt, hat er auch viel Kontakt zu den Menschen. Und ich denke, dass eine direktes Gespräch an einen Menschen viel mehr bringt als eine Predigt an viele.
Versteh mich jetzt nicht falsch, dass ich eine Predigt unterbewerte. Ich halte auch eine Predigt für wichtig, aber lehren kann auch direkt während man seelsorgt. Es ist dann auch auf die Situation angepasst und die Zielperson kann viel mehr mitnehmen. Das ist halt eine Sache, die eine Predigt nicht erfüllen kann.
Hi,
verstehe schon was du meinst, aber im Endeffekt muss man sich doch entscheiden, gerade wenn man bereits viel am predigen ist. Irgendwo wird man sicherlich noch beides machen können, aber der Schwerpunkt wird nicht auf beiden Sachen liegen können…
1. Ich glaube schon, dass es Gaben sind, die der Heilige Geist uns durch die Wiedergeburt schenken möchte; diese Gaben entwickeln sich m.E. aber, das heißt, sie sind nicht von Anfang an “fertig”. Zudem kann man auch neue Gaben geschenkt bekommen. Meine Meinung.
Den Schnittpunkt zwischen Gaben und Talent sehe ich dort, wo ich selbst durch meine schöpfungsbedingte Begabung und “Talentierung” die Geistesgaben zum “ehrenvollen Gebrauch” (das heißt, zur Ehre Gottes) einsetze. Über allem steht m. E. der Dienst an Gott und an der Gemeinde. Nix da mit Selbsterhöhung, weil man ‘ne coole Gabe hätte. Wehe dem!
2. Beeinflussen nicht, aber dafür beten. Das glaube ich schon. Nur sollte man nicht zu sehr verbissen sich auf eine Gabe (meist ist das ja die der Zungenrede) konzentrieren, sondern offen sein für das, was Gott einem schenken möchte.
3. Gute Frage. Nächste Frage!
…wenn ich jetzt noch in den griechischen Text schaue, sehe ich, dass es da heißt, dass die “unanständigen…..größere Anständigkeit haben (!).” Glaube nicht, dass es Glieder sind, die nach Macht streben, aber Gemeindeglieder, die der besonderen Aufmerksamkeit bedürfen.
4. Ich glaube, dass sie nur menschlich-subjektiv sich widersprechen können. Aus göttlicher Sicht werden die Gaben keine andere Funktion haben, als das Reich Gottes zu bauen – im Menschen selbst, der die Gaben hat, in seinen Mitmenschen, denen er mit dieser Gabe begegnet und im größeren Kontext des Gemeindeaufbaus.
Sicherlich hat das auch was mit Berufung zu tun, aber ich denke, dass es v.a. eine Frage des Gebetes ist, zu erkennen, was nun vonnöten ist. Der eigene “Lustfaktor” (also: Was will ich am liebsten?) ist da mit Vorsicht zu genießen.
Für mich steht über allem – wie schon mehrfach geschrieben – die “dienende Funktion” der Gaben über allem. Das hilft vielleicht auch bei Punkt 4. Es geht dabei nie (!) um mich, sondern um den/die anderen, die Gemeinde, das Reich Gottes und Gott selbst.
Hi Waldy,
ich kann Dave in Punkt 4 nur unterstützen.
a) Gaben an sich können erstmal nicht im “Widerspruch” stehen, in dem Sinne das die eine aufhebt, was die andere leistet. Beide dienen dem selben Zweck und kommen aus der selben Quelle.
b) Was sich widersprechen kann, ist deine Art und Weise, mit den Gaben umzugehen. Das ist aber kein “Widerspruch” sondern eher ein Verwalter-Problem. (vgl. 1. Petr. 4,10).
Und hier kommt genau das ins Spiel. Wenn du deine Gaben als -ich will mal eher sagen- nicht integriert erlebst, gilt es, das bewußt wahrzunehmen, den Hintergrund zu hinterfragen und daran zu arbeiten.
Dein Beispiel:
“Auf der anderen Seite sieht er aber auch noch viel Bedarf an Lehre in der Gemeinde und worüber man predigen müsste. Er steht dann vor der Frage, wo er mehr Zeit und Kraft einsetzen soll. Zeit mit Menschen oder Predigen?”
Hier gibt es zum Beispiel gar keinen Widerspruch, wenn man dies auf der richtigen Ebene betrachtet.
a) Wenn er klar die Gabe der Seelsorge hat, wird diese Thematik seine Predigten durchdringen. Er wird dann möglicherweise gar nicht mehr so vollmächtig predigen können, wenn er dies nicht aus der Erfahrung der Seelsorge tut.
(Ich kenne jemanden, der eben genau deswegen so gut predigt, weil er Seelsorger ist, und auf der Kanzel die Sache auf den Punkt bringt und mitten ins Herz trifft. Die Lehre wird so vollständig mit dem Leben kombiniert).
Predigen IST dann Zeit für die Menschen.
b) Wenn er klar die Gabe der Lehre hat, wird dies in seine Seelsorgearbeit durchschlagen. Er wird Seelsorge dann mit dem Weitergeben von Inhalten, von Botschaft verbinden.
(Und Lehre heißt dabei NICHT, den anderen “seelsorgerlich” eine halbe Stunde zuzuquasseln, sondern ihn im Dialog an die biblischen Inhalte heranzuführen und dies auf sein Leben anzuwenden, in den Häppchen, die er jeweils fassen kann).
Auf dieser Ebene betrachtet gibt es keinen Widerspruch sondern eine Co-Existenz der Gaben. Und Lehre ist dann Seelsorge und umgekehrt.
Die wichtigste Frage des Verwalters(!) ist dann: Was ist jetzt dran, was braucht meine Umgebung jetzt?
Und dies gilt m.A.n. für alle Gabenkombinationen.
Es kann also hauptsächlich wohl einen Zeitkonflikt geben, und den kann man durch Herausbilden von Mitstreitern (auch das ist “Lehre”), Teambildung, Delegation u.ä. organisatorische Dinge lösen (vgl. Mose).
BB
MR
Hi Dave und Rover,
will mich nicht rechtfertigen, habe mich vllt. etwas falsch ausgedrückt. Ich denke ebenfalls nicht, dass Gaben an sich im krassen Widerspruch zueinander stehen können.
Was Dave zum Thema Talente und Gaben geschrieben hat, spiegelt haargenau meine Meinung wieder. Du hast es nur besser beschrieben und ausgedrückt.
Zu Punkt3. Was meinst du Dave, wenn du schreibst:
Was sind das für Gemeindeglieder, wieso brauchen die mehr Aufmerksamkeit?
Rover, du hast gut beschrieben, wie sich Gaben ergänzen können. Danke dir, das hilft mir auf jedenfall. Werde da noch weiter nachdenken, noch bin ich nicht ganz durch damit
….wenn ich das genauer wüsste, hätte ich es geschrieben
ah okay
dann lass uns mal weiter gemeinsam grübeln..
da simma dabei
ne also im Ernst: Ich hatte noch nicht die Zeit mich damit jetzt noch mal genauer auseinanderzusetzen, bin nur noch ein wenig verwirrter als vorher, als ich Elberfelder las und den Urtext (zumindest bruchstückhaft
).
Mir gehts da ähnlich. Komischerweise hört man auch darüber nie eine Predigt. Immer die Verse davor, aber nie über diesen Punkt.
Das ist seltsam, muss also was dran sein
Ich gehe damit jetzt mal schlafen. Vielleicht “gibts der Herr den seinen im Schlafe”
Klar. Das ist immer so: die Stellen, an die sich keiner traut, sind die coolsten.
Hi, zu Punkt 3 (Vers 23):
Ist schonmal hilfreich, mehrere Übersetzungen nebeneinander zu halten. Habe ich gerade auf Bibelserver.de gemacht.
Folgendes schreibt …:
…Hoffnung für alle:
und
… Neues Leben:
Beides nicht so gut übersetzt, finde ich. Klingt ja so ein bisschen nach Verschleierung und Schönrederei, außen Hui innen Pfui.
Und das beim Leib Christi?
… Luther:
… Gute Nachricht:
… Einheitsübersetzung:
Anstand hat was mit Moral zu tun. Um die Körperteile, die anfällig für Unmoral/Unanständigkeit sind, kümmert man sich besonders, um sie in die Anständigkeit der Gesamtheit zu integrieren.
Gerne gehe ich auch mal in die Fremdsprachen, Griechisch usw. kann ich aber leider nicht.
…New International Version:
(der spanische wortlaut ist quasi identisch).
“unpresentable” ist irgendwie schon eine ganz andere Sicht auf die “unanständigen”.
Und “modesty” kann eben neben Anstand auch mit Bescheidenheit und Sittsamkeit übersetzt werden.
(modestia im span.: Bescheidenheit).
Interessant auch die
… New Int. Readers Version:
Aha.
… Het Boek:
Es geht also darum, dass nicht nur die Superchristen, die heilend und weissagend durch die Gegend laufen, zum Körper dazu gehören, sondern auch die, die sich zwar zu Christus bekennen, aber noch mit Zweifeln zu kämpfen haben.
Die mit ihren Gaben noch nicht richtig umzugehen wissen. Die immer wieder mal rückfällig werden, wie z.B. der Ex-Alkoholiker. Die mal in eine Affäre abgerutscht sind. Usw.
Denen widmet man sich mit besonderer Aufmerksamkeit, kümmert sich (seelsorgerlich) um sie. Man weiß um ihre Anfälligkeit und ruft sie daher intensiver zur Ordnung, investiert besonders Zeit in sie.
Sie gehören aber trotz allem dazu, haben sogar ihre ganz eigene Funktion im Leib Christi.
Es also auch beim Bedecken nicht um Verheimlichung, sondern um das gnädige Vermeiden von Scham und Anstößigkeit.
(Nachtrag: Mir kommt gerade noch der Begriff “heiligen” in den Sinn).
Klar wird es am Gegenbeispiel.Das (unseelsorgerliche) Gegenteil wäre nämlich: An die Öffentlichkeit zerren, zur Schau stellen, Verurteilen, Ausgrenzen.
Soweit meine Gedanken.
BB
MR