Archives for the month of: August, 2007

Christliche Gemeinschaft heißt Gemeinschaft durch Jesus Christus und in Jesus Christus.
Wir gehören einander allein durch und in Jesus Christus.
Dies heißt erstens, dass ein Christ den anderen braucht um Jesu Christi Willen. Es heißt zweitens, dass ein Christ zum anderen nur durch Jesus Christus kommt. Es heißt drittens, dass wir in Jesus Christus von Ewigkeit her erwählt, in der Zeit angenommen und für die Ewigkeit vereinigt sind.

Bonhoeffer schreibt zu jedem der drei Punkte noch einiges mehr in den Seiten danach. Was mich nur total begeistert ist diese Gemeinschaft unter Christen, die Gemeinschaft in der Gemeinde. Durch Jesus sind wir weltweit mit allen Christen verbunden, wir sind Geschwister (Römer 8,29). Dies zeigt sich vorallem klar in der Gemeinde vor Ort. Nach der Vision von Gemeinde, kann jeden Art von Mensch, jeder Charakter jede Nation zusammen in einer Gemeinde existieren und leben. Und was diese unterschiedlichen Menschen zusammen hält ist Jesus, ist die Liebe die Jesus gibt. Diese Liebe ist eine Art Kleber, die das ganze zu einer Einheit macht und somit ein super Zeugnis für die Menschen außerhalb der Gemeinde (Joh. 13,34-35).

Das oberste Vorbild für Gemeinschaft unter Christen ist die Gemeinschaft der Dreieinigkeit von Gott Vater, seinem Sohn Jesus und dem heiligen Geist. Ein normaler Menschenverstand wird glaub ich nie wirklich fassen können, wie die Dreieinigkeit funktioniert. Dort besteht eine vollkommene Ergänzung und Einheit. Ich finde es total schwer zu beschreiben (geht irgendwie gar nicht), aber man total viel von der Einheit von der Verbundenheit lernen. Dies sieht man sehr stark im Johannes Evangelium und den Johannesbriefen, wo die Beziehung zwischen Jesus und Gott immer wieder heraus sticht. Jesus war eins mit Gott.
Christen sind eins durch und in Jesus.

Ich habe vor kurzem Dietrich Bonhoeffers Gemeinsames Leben angefangen zu lesen und muss sagen, dass mich das Buch sofort begeistert hat. Ich kann es jedem nur empfehlen. Und weil das Buch so gut ist, habe ich mir gedacht, dass ich zwischendurch doch etwas darüber schreiben könnte.

Das Buch fängt damit an das es für Christen nicht selbstverständlich ist in Gemeinschaft mit anderen Christen zu leben. Jesus lebte mitten unter seinen Feinden, zuletzt verließen ihn sogar seine Jünger. Genau für diese Menschen ist Jesus gekommen um Frieden zu bringen. Genauso gehört der Christ nicht abgeschottet in ein Kloster, sondern mitten unter seine Feinde. Dort hat er seinen Auftrag, seine Arbeit, sein Leben.

Er vergleicht dies desweiteren mit dem Volk Israel. Das Volk Gottes ist dazu bestimmt unter fremde Völker gesät zu werden und in einem fremden Land an Gott glauben (nach Sach. 10,9).


Sind Christen Marionetten? Die fünf gängigsten Vorurteile

Hey, Geppetto, wie läuft’s mit Pinocchio?

„Mist, jetzt hat sich die doofe Puppe schon wieder verheddert. Warum muss die auch an jedem Stolperstein hängen bleiben? Und das, obwohl ich sie so gut führe! Ach, jetzt ist da auch noch ein Knoten! Sohn,…Sohn? Kannst du mir bitte mit den Fäden hier helfen?“

„Schon wieder? Mmhh, also gut, dann gucken wir mal… So, sollte wieder gehen Vater!“

„Danke! Ich weiß ja auch nicht, aber diese Menschen Christen…irgendwie…ich denke, ich sollte vielleicht die Fäden noch ein wenig straffer ziehen, oder?“

Finger runter, wem dieses Bild nicht bekannt ist!

Immerhin wird man als Christ mit dem geschilderten Bild öfter mal konfrontiert, oder? Dieses Bild vom leicht naiven bis lebensunfähigen Christen, der nach absoluter Willensaufgabe nicht mehr ist als die Marionette einer höheren Instanz, im Volksmund als Gott bezeichnet (außerdem unter dem Code-Namen A.L.T.E.R. G.R.E.I.S. bekannt). Diese graue Eminenz im Hintergrund, die mit ihren Püppchen so ihre Spielchen spielt.

Finger hoch, wer nicht denkt, dass in diesem Bild ein Fünkchen Wahrheit steckt! Ein böses Vorurteil, oder? Oder ist vielleicht am Ende doch mehr dran?

Abgesehen von einigen Stellen in der Bibel, in die man ohne weiteres Prädestination hineinlesen kann (oder vielleicht sogar muss?), mache ich mich tatsächlich im Glauben von Gott abhängig und gehe nur in enger Verbindung mit ihm. Ich frage Gott nach seinen Plan für mein Leben. Ich frage, was er will. Hören und gehorchen sind zwei sehr zentrale Begriffe des Glaubens. Das hinterlässt heute einen bitteren Nachgeschmack, nicht wahr? Aber: Sollte ich Angst davor haben? Gott meint es gut, sogar sehr gut mit mir. Er möchte mein Bestes, das hat er durch seine Taten sehr eindeutig bewiesen. Welchen Weg sollte ich also sonst gehen?

Leider geht mit diesem Fakt des Glaubenslebens auch oft die Annahme einher, dass man nach der Bekehrung seinen Verstand an den Nagel hängen kann. Denn daneben kann man kaum liegen. Gott offenbart mir das Leben. Er macht mir klar, worum es geht. Zugleich hilft und führt er mich. Er sagt mir aber auch klar, dass ich verantwortlich für mein Handeln bin. Ich bin ihm, meinem Nächsten und mir selbst gegenüber verantwortlich, da ich weiß, was Sache ist. Mehr denn je gilt für mich, aufmerksam zu leben. Immer wieder sollte ich mir bewusst machen und nachdenken, warum ich was mache. Ich bin mit all meinem Sein somit sogar ein Gegenüber für Gott.

Oft genug jedoch lasse ich mich in irgendwelche Muster, Strömungen, oder Launen fallen. Ich gebe mich dann tatsächlich in die Hand eines dubiosen Strippenziehers, bis…ja bis Gott mich – da ich es selber nicht mehr schaffe – wieder herausholt, mich wieder frei macht.

Mir stellt sich gerade eine Frage: An welchen Fäden hängst du? Und vor allem: Wer zieht daran?

Die verlorenen Söhne

Die verlorenen Söhne? Ja! Wenn ich die Geschichte in Lukas 15,25-32 so anschaue, dann scheint mir nicht nur der jüngere Sohn, der von zu Hause wegläuft, verloren zu sein, sondern auch der ältere: Der ist zwar die ganze Zeit beim Vater geblieben, und doch war er nicht richtig dort daheim, er ist irgendwie fremd und auf seine Art auch verloren. Ich denke, Jesus richtete diesen Teil der Geschichte an die Pharisäer, die zuhörten – und vielleicht in manchen Punkten auch an uns Christen?!

Hier einige Parallelen (es gäbe noch mehr) vom älteren Sohn zu den Pharisäern – und zu uns?

  1. Für den älteren Sohn ist der Vater kein liebender Vater, sondern ein Herr, dem er dienen musste (das griechische Wort kann man wirklich auch mit „Sklavendienst tun“ wiedergeben). Er sah sich als Knecht und erhoffte sich Lohn für seine Arbeit. Er dachte auch, dass ein Leben in Sünden Spass sei, Gutes zu tun aber eine Mühe. // Auch die Pharisäer erwarteten für ihren verbissenen Einsatz Lohn von Gott, und sie taten zwar ihre Pflicht, aber widerwillig. Das Böse taten sie nicht, aber eigentlich liebäugelten sie damit.

    Wie geht es mir mit dem Dienen? Habe ich Freude daran, weil ich es aus Dankbarkeit Gott gegenüber tun kann, oder ist es für mich mehr eine Last, die ich trage, weil ich Gott gefallen muss? Ist es mühsam, was ich alles nicht tun darf, was ich dafür alles tun sollte?

  2. Nur wenn meine Arbeit aus freier Liebe zu Gott geschieht, bringt sie mir auch Freude, und diese Freude gibt Kraft zum Weitermachen.

  3. 2. Der ältere ist eifersüchtig auf seinen jüngeren Bruder, für den es nun ein Festessen gibt. Jetzt beginnt er zu rebellieren. // Ebenso schimpften die Pharisäer, anstatt sich zu freuen, dass auch die schlimmsten Sünder durch Jesus einen Zugang zur Gnade erhalten haben.

    Ist es mir ein Anliegen, dass verlorene Menschen heim zum Vater finden und freue ich mich darüber, wenn das geschieht? Oder ist es mir egal oder werde ich sogar missmutig wie der ältere Sohn, wenn vielleicht gerade jemand, der mir viel zu Leide getan hat, zum Glauben findet und nun auch noch in dieselbe Gemeinde kommt wie ich?

  4. 3. Der Vater sagt zum Sohn, dass alles, was ihm ist, auch sein ist. Der Sohn hätte also nicht nur ein einmaliges Fest haben können, sondern die täglichen Freuden der Vaterliebe inklusive aller Vorrechte wären für ihn bereit gewesen, aber er hat dieses Angebot nicht angenommen. // Auch die Pharisäer nahmen nicht in Anspruch, was Gott ihnen anbot. Sie hatten zwar viel in Gottes Haus zu tun, aber sie waren dort trotzdem nicht daheim, sie waren deshalb Gott nicht nahe.

    Bin ich mir bewusst, dass ich jederzeit mit Gott Gemeinschaft haben kann, dass ich seine Liebe und Vorsorge tagtäglich in Anspruch nehmen darf? Dass mir der ganze Reichtum seiner Gnade zugänglich ist? Bevor Gott von mir Liebe möchte, schenkt er mir seine Liebe, bedingungslos, und die ist so überfliessend, dass sie zurück- und weiterströmen kann. Der erste Beweis dieser Liebe ist sein Sohn, der für mich starb, als ich noch ein Sünder war (Röm 5,8).
    Der Vater im Gleichnis sagt auch zum Sohn: Was mein ist, ist dein. Genau dieselben Worte hat Jesus im hohenpriesterlichen Gebet in Joh 17 gebraucht, um seine Beziehung zu Gott zu beschreiben. Alles, was Gott gehört, gehört auch Jesus, und umgekehrt. Und Gott gehört doch alles! Er hat alle Macht, alle Gewalt, er kann schlichtweg alles! Und wenn nun der Vater zu seinem älteren Sohn sagt, dass ihm ebenfalls alles gehört, so gilt das auch für uns: Was Jesus gehört, gehört auch uns. Deshalb dürfen wir wissen, dass wir in Jesus alles haben, was wir zum Leben brauchen: Von Jesus erhalten wir die Vergebung und ein neues Leben. Wir erhalten auch die Wertschätzung, nach der wir uns sehnen. Das wird z.B. im Umgang der Christen untereinander deutlich. Wir sehen einander als wertvoll an, weil wir in Gottes Augen wertvoll sind. Von Jesus haben wir die Zusage, dass er uns tagtäglich mit allem Nötigen versorgt, mit Kleidung, Nahrung, Kraft, …
    Wenn wir diese Geschenke Gottes bewusst wahrnehmen und in Anspruch nehmen, dann wird unsere Dankbarkeit ihm gegenüber wachsen, und wir sind bereit, aus Liebe zu ihm zu dienen. Wenn wir diese Dankbarkeit nicht haben, dann verfallen unsere Aktivitäten für Jesus der reinen Geschäftigkeit, ohne dass wir sie mit Jesus und aus seiner Kraft tun! Und daraus kommt keine Freude.

posted by MH via inputs