In den nächsten Seiten von Jugendarbeit mit Vision geht es um das Thema Gemeinschaft und Kleingruppen. Vorab gibt es aber eine kleine Einleitung zum Thema:
Pflege der Gemeinde-Jugendlichen / Die Erfüllung von Gottes Auftrag der Gemeinschaft
Jugendliche zu betreuen und zu pflegen bedeutet, ihnen gewissenhaft bei ihrem Wachstum im Glauben zu helfen. Das gründlichste und messbarste Wachstum findet bei Jugendlichen statt, die vertrauensvolle, verlässliche und intakte Beziehung zu einem ihrer Jugendmitarbeiter haben. Die Beziehungen werden durch Gemeinschaft möglich.
In Jugendarbeitskreisen wurde das Wort Gemeinschaft bereits überstrapaziert und total auseinander gebogen, weil wir einfach alles unter den Begriff Gemeinschaft packen. Wir haben eine Gemeinschaftsstunde in einem Gemeinschaftsraum und die drei Jugendlichen, die dabei sind kapseln sich von der Gemeinschaft ab. Die Gemeinschaft wird überall gepflegt, auf Ausflügen, in großen und in kleinen Kreisen. Doch trifft unser „All-Inclusive-Wort“ nicht mehr wirklich, dass biblische Bild von Gemeinschaft.
In den ersten Gemeinden war Gemeinschaft mehr auf Beziehung zu als auf Unterhaltung bezogen. Sie beinhaltete sowohl Teilen (1.Joh. 1,7) und das Brechen des Brotes (Apg. 2,42) mit anderen Gläubigen als auch die Entwicklung einer engen Beziehung mit Christus (1. Kor.1,9) und mit anderen Gläubigen. Das ist doch ein ganz anderes Bild von als mit ein paar Jugendlichen herumzuhängen und Volleyball zu spielen.
Der effektivste Weg, biblische Gemeinschaft unter Jugendlichen zu schaffen, verläuft über Kleingruppen, denn sie bieten mehr Aufmerksamkeit als größere Veranstaltungen erlauben. Sie sind eine Möglichkeit für dauerhafte Beziehungen und was noch wichtiger ist, für die geistliche Reife der Jugendlichen. In den Kleingruppen kann etwas entstehen, ein Zugehörigkeitsgefühl, das keine Clique, keine Gangs und Kulte schaffen können.
Auch Jugendkreise mit 15 Jugendlichen haben es nötig, Kleingruppen zu schaffen. 15 Personen reichen, damit der eine oder andere Jugendliche abtauchen kann.
Gerade bei einer wachsenden Jugendarbeit wird es irgendwann nicht mehr möglich sein, jeden Jugendlichen einzeln zu betreuen und ein Auge auf ihn zu haben. Da helfen Kleingruppen ungemein.
Hi!
Bin u.a. in der Teenyarbeit involviert. Daher finde ich die Idee der Kleingruppen sehr gut.
Sehe aber auch, dass die Teens hier ziemlich gefordert werden in der Schule. Manche sind noch in einem Sportverein (sehr gut!), haben den Teen-K und manche sogar parallel noch Konfirmandenunterricht.
Ob da noch eine Kleingruppe geht?
Wie würdest Du ganz konkret und praktisch solche Kleingruppen installieren?
Wie würdest Du das den Teens schmackhaft machen?
Hi Dirk,
ich bin in einer FeG mit ca. 160 Mitgliedern, darunter einige Jugendliche, die ab ca. 20 Jahren hautpsächlich in JugendHausKreisen organisiert sind.
Zwei JHK’s, die nun zu den ältesten zählen, kamen tatsächlich aufgrund eines Aufrufs zustande. In der damaligen Teenagergruppe stelle man fest, dass manche Teilnehmer zu weit fortgeschritten waren für das niedrigschwellige “Leichtkost-Angebot”. Wir boten an, für die Leute, die Interesse an Mehr, an geistlichem “Schwarzbrot” haben, JHKs einzurichten, und trafen uns dann an einem Abend zur Vorstellung, Abstimmung und Einrichtung.
Daraus gingen -wie gesagt- zwei Kreise hervor, die heute noch existieren und über die Jahre einiges miteinander geteilt und erlebt haben.
Die beiden Kreise sind auch sehr unterschiedlich.
Einer von beiden ist auch gewachsen und hat sich inzwischen teilzeitlich geteilt. Kleintreffen und Gesamttreffen wechseln sich ab.
Ein weiterer, etwas jüngerer Mädchen-JHK (bisheriger Name: JesusCouch) hatte sich nach JesusHouse 2004 als Nacharbeit entwickelt und ist auch zusammengeblieben.
Aktuell haben wir mit jüngeren Leuten (ca. 15 Jahre) einen Jugend-Alphakurs mit zwei Kleingruppen laufen und hoffen, dass diese auch nach dem Alpha zusammenbleiben.
Diese Frage halte ich für äußerst schwierig, weil die Antwort sehr stark von den Leuten der Zielgruppe abhängt.
- Wie erfahren sie die erwachsene Gemeinde? Gibt es in dieser Hauskreise, die ein positives Vorbild darstellen? (Als wir anfingen war es bei einigen Teens tatsächlich so, dass sie sich freuten, jetzt endlich “ihren” Hauskreis zu haben).
Letztlich kam der Druck nicht von oben (den Mitarbeitern) sondern zu einem guten Teil von unten (wenn auch mehr diffus ausgedrückt), und wurde nur in Form von Angeboten durch die Jugendarbeit konkret und fassbar gemacht.
- Sind die Teens auf dem Weg und sozusagen auf der Suche nach “Schwarzbrot”? Oder muss man ihnen diesen neuen Schritt quasi “aufdrängen”, damit sie aus den Hufen kommen? (Mir scheint: Eine gewisse Unzufriedenheit und ein Wunsch nach “Mehr” oder “Anders” gehören schon dazu)
- Sind die Zielgruppen-Teilnehmer in Gemeinde stark integriert und ist das somit ein typisches weiteres Gemeindeangebot, oder sind sie eher weniger integriert, ist die Jugendarbeit eher autark, ggf. sogar mal in Konfrontation mit der Basis-Gemeinde? Dann sind die Kleingruppen ggf. gute Angebote zu eigenem Entdecken des Glaubens, Möglichkeiten zur Bildung einer eigenen, parallelen Integrationsform.
- Von welcher Altersgruppe reden wir überhaupt?
Teenager, die sich prinzipiell noch für alles begeistern lassen, Hauptsache der Freund/die Freundin macht es auch mit? Oder eher den Heranwachsenden, die anfangen, eigene Wege zu gehen und auch schonmal auf Distanz gehen?
Eine Sache scheint mir noch wichtig:
Dieser Satz ist eine sehr sensible Sache und schmeckt mir noch ein bisschen muffig.
Erstens klingt er ein bisschen nach advertising. “Du willst mehr? Dann komm zu uns! Wir bieten dir das ultimative Miteinander”
Zweitens passt mir nicht so recht, dass die Kleingruppe (schreckliches Wort übrigens) nun der Clique oder Gang und dem Kult entgegengestellt wird.
Vielmehr scheint mir wichtig, dass Cliquen/Gang/Kult-Phänomen zu verstehen, um auch die Kleingruppe zu verstehen, denn für mich ist da schwer ein Unterschied auszumachen.
Auch sollte man das Zusammengehörigkeitsgefühl in so manchen Cliquen/… nicht unterschätzen!
Andersherum kann man auch genau das, z.B. das Kult-Phänomen, nutzbar machen, gerade weil Jugendliche darauf ansprechen.
Zur zeitlichen Schiene und der Überforderung:
Unsere JHKs finden alle 14-tägig statt. Ist manchmal eigentlich zu wenig, eröffnet aber auch neue Möglichkeiten.
Letztlich ist es ein Angebot. Ob es zeitlich noch geht oder nicht, bestimmen die Teens selbst.
BTW: Welches Alter haben eure Konfirmanden? Ich halte Kleingruppen ja am ehesten für nach der Konfirmation geeignet, wenn ein Bezugspunkt zur Gemeinde automatisch wegfällt, und nicht als noch ein weiteres Angebot unter allem.
(Habe bitte auch mal einen Blick dafür, dass du in deiner Aufzählung -Sportverein, Teen-Kreis, Konfirmandenunterricht, Kleingruppe- nur einen “weltlichen” Kontakt genannt hast!)
So, war viel, ich hoffe, es hat was geholfen.
LG
TheOtherDirk
PS: Zur Individualität der Gruppen habe ich auch ein wenig in folgendem Post geschrieben:
“Vier Bereiche der Zugehörigkeit” – und Hauskreiszellen
Hi Dirk,
wenn es wirklich so ist, dass deine Teens ziemlich gut zeitlich eingenommen sind, dann muss man sich mal konkreter Gedanken machen. Würde das auch machen, kannst du mir paar Sachen zu euch schicken.
Was macht ihr so, wenn ihr euch trefft, wie oft trefft ihr euch? Wieviele Leute seid ihr?
also ich find auch, dass es stark auf die Teens/Jugendlichen drauf ankommt, wie die drauf sind & wieviel zeit die haben. Also ich bin inner Gemeinde, in der wir seit Jahren versuchen Kleingruppen zu gründen/entwickeln/auszubauen wie auch immer, das aber nicht funktioniert. Bei uns läuft (nicht nur inzwischen) alles über Beziehungen und Mentoring…also jeder hat einen Ansprechpartner und manchmal auch ein oder mehrere Leute, für die er Ansprechpartner ist. Das funktioniert. Wie auch immer.
Wir haben aber auch immer (wieder) den Anspruch, dass Dienstgruppen gleichzeitig auch Kleingruppen sind, wo Gemeinschaft gelebt wird.
Aber wenn man will, kann man auch in einer Kleingruppe “abtauchen”, also die schützt nicht davor.
@Dirk: Als wir Kleingruppen “installieren” wollten, haben wir diese verstärkt genannt nach & in dem GoDi, uns als Leiter selber das Ziel gesteckt, alle in eine Kleingruppe zu gehen und vprgenommen, von den Erfahrungen zu erzählen…. weiß aber nicht, obs in eurer GEmeinde funktionieren würde
Hi!
- Teenykreis: 1x wöchentlich am Freitag-Abend:
- Zu Beginn Lobpreis, Gebet, Input von 5-15 min., “Freizeit” (für Gespräche, Spielen, Musik etc.);
- Bemühen uns, eher evangelistisch ausgerichtet zu sein (u.a. auch deswegen eher kurze Inputs);
- Sind von ca. 8-9 Teens vor 2,5 Jahren nun ca. 16 Teens (ausschl.Leiter);
- Pro Halbjahr ein Schwerpunktthema (aktuell: “Helfen”);
- halbjährliches Verschicken von Elternbriefen;
- immer wieder “FRIENDS”, ein lockerer Futter-Abend, um Freunde einzuladen;
- immer wieder Action-Abende (irgendwo draußen sein);
- hin und wieder Video-Abende;
- bisher: ein Teenygottesdienst durchgeführt (die Teens wollen mehr!).
Ca. 1/3 der Teens ist noch im Konfirmandenunterricht (am Tag davor).
Manche haben in der Woche z.T. bis zu 9 Schulstunden (+ Hausaufgaben).
Einer ist schon in der Ausbildung und schafft es gerade so bis um 18:00 Uhr dabei zu sein (vorausgesetzt, die Bahn streikt nicht).
Ca. 2-3 Teens scheinen eher lustlos zu sein für Aktionen.
Für Berliner Verhältnisse leben die Teens ziemlich zerstreut auseinander (in ca. 3 verschiedenen Kiezen).
Mehr Infos?
Gby,
Dirk.
@Dirk:
Mehr Infos?
ja, ich habe noch eine Frage:
bisher: ein Teenygottesdienst durchgeführt (die Teens wollen mehr!).
Aha!? Was heisst das?
Ein Gottesdienst, den die Teens im normalen Rahmen gestaltet haben?
Oder ein gesonderter GoDi nur für Teens?
@MentalRover (TheOther Dirk):-):
Der Teenygodi war ein “normaler” Sonntags-Vormittagsgottesdienst.
Statt um 10:00, haben wir den um 11:00 gemacht.
Freunde eingeladen, Eltern, Geschwister …
War für viele eine bleibende (und gute) Erinnerung.
–
Zu Deinen anderen Anmerkungen (besides: wie kriegst Du die markierten Einschübe hin?):
- “Wie erfahren sie die erwachsene Gemeinde?”
Den Rest der Gemeinde erfahren die Teens eher wechselhaft. Der klassische Godi langweilt die meisten Teens. Wenige sind auch in einem anderen Godi. Und andere kommen hauptsächlich nur zum Teen-K.
Unsere Gemeinschaft hat leider keine Hauskreis-Struktur, was ich schade finde. Es gibt zwar Hauskreise, aber die werden nicht wirklich gefördert. Naja..
- Ob manche Teens “Schwarzbrot” suchen?
Es gibt schon ein paar, die mehr verdauen könnten. Ein paar haben sich sogar (klammheimlich mit einer Mitarbeiterin) zu einem Hauskreis zusammengeschlossen. Grundsätzlich eine gute Sache. Geschah leider nicht in Absprache. Wahrscheinlich, weil sie für sich sein wollen. Und jetzt ist der Kreis halt da (was ja gut ist), aber es wurde m.E. die Chance versäumt, damit grundsätzlich was auf den Weg zu bringen.
- Deine Idee mit den zweiwöchigen Treffen finde ich gut. Auch das “Hineinfühlen”, ob solch ein Hauskreis von den Teilnehmern überhaupt gewollt ist. Allerdings könnte es da z.B. deswegen mühselig werden, weil etliche mit dem Begriff “Hauskreis” nicht viel anfangen können.
Wäre mal ein Thema wert!
Gby,
Dirk.
das machst du durch
Hi, nach ein paar turbulenten Tagen, folgt jetzt meine versprochene Antwort bzgl. der Kleingruppen.
Wo ich mir die bisherigen Antworten angucke, dann merke ich, dass ich gar nicht so viel schreiben kann.
Grundsätzlich ist es wichtig, Hauskreise, Klein- oder Zellgruppen (es gibt zig Wörter für
) nicht aufzuzwingen, sondern zu zeigen warum das wichtig ist. Ich denke das Verständnis wäre relativ schnell da, da du ja auch schreibst, dass einige “Schwarzbrot-Teens” einen eigenen Hauskreis haben.
Ich würde jetzt fast direkt vorschlagen, das so ähnlich zu machen, wie Rover schon beschrieben hat. Man könnte ja einen Wechsel zwischen Hauskreis und Teenkreis machen. Da die Teens unterschiedlich reif sind, brauchen die meistens (auch bei einer Gruppe von 16 Leuten) unterschiedliche Inputs und unterschiedliche Themen/Kurse etc.
Soweit meine doch relativ kurze Antwort…
Hi!
Hoffe, dass Du GUTE turbulente Tage hattest!
Ein Wechsel zwischen Hauskreis und Teen-K ist ‘ne gute Idee!
Hängt natürlich davon ab, wie die Teens drauf sind UND wie wir das als Leiter vorbereiten (und, ob die anderen Leiter das auch wollen!).
Auf jeden Fall würde dadurch das Zeitproblem wegfallen.
Es müsste vorher gut bedacht werden, wie wir das als organisch Ganzes hinbekommen, dass also klar ist: Der Teen-K ist eine Art “öffentlicher” Godi für Teens und die Hauskreise sind fester Bestandteil davon.
M.E. wäre es ein Schuss nach Hinten, wenn sich die Hauskreise vom Ganzen abkoppeln würden, um ihr Ding zu machen.
Vielleicht wäre folgende Grobplanung sinnvoll:
1. Alle Leiter befragen, ob sie in solchen Hauskreisen einen Sinn sehen und es wollen.
2. Dann die Teens durch ein paar Inputs thematisch darauf vorbereiten.
3. Dann die Teens befragen, ob sie sich eine solche Struktur vorstellen können und wollen.
4. Dann die Umsetzung.
Hallo Dirk,
Ich denke, das ist ziemlich genau die falsche Sicht der Dinge, und wenn das auch nur ansatzweise diesem Kreis gegenüber so formuliert wird, ein Punkt, wo “die Teens die Gemeinde eher wechselhaft erfahren”.
Ich finde das nicht nur “grundsätzlich” eine Gute Sache, sondern das Größte überhaupt, wenn eine solche Gruppe spontan und ohne zentral-autoritativen Einfluss entsteht.
Mehr davon, und man könnte von einer “Erweckungsbewegung” sprechen
(etwas übertrieben, ich weiß).
Genau die Einstellung: “Sie hätten es absprechen sollen” – “wir hätten das koordinieren sollen” oder noch schlimmer “sie hätten das erst beantragen und genehmigen lassen sollen” sind absolute Bremsen für Teens und Jugendliche.
Von autoritärer Seite ein “nur mit uns” ist kontraproduktiv.
Disclaimer: Vielleicht -wahrscheinlich sogar- reagiere ich auch sehr empfindlich auf dieses Thema.
GBY
TheOtherDirk
PS:
Ich versuche das mit dem Einrücken nochmal anders.
Man schreibe in das Eingabefeld:
<blockquote> Dein Text </blockquote>
(ich hoffe, das kommt jetzt richtig)
Hey
das hatte ich bei meinem letzten Post vergessen zu schreiben. Ich finde es ist ein super Zeichen, wenn sich Teens von alleine treffen, das zeigt nämlich, dass ihn das ganze nicht egal ist und sie hungrig nach mehr sind
Sie sind iniativ und das ist eine super sache!
Hi Dirk, habe deinen Post erst eben aus Askimet herausgefischt… (in letzter Zeit ist funktioniert das nicht mehr so wirklich..)
die grobe Planung wie du das umsetzt ist gut. Was ganz wichtig ist, dass du jetzt anfängst eine Menge zu beten und auch zu schauen ob die Leiter für diese Sache geschult sind.
Hi!
@MentalRover & Schrotty:
Habe mich wegen des Hauskreises der Teens vielleicht missverständlich ausgedrückt.
Ich bin auf jeden Fall für Hauskreise.
Und wo sich Teens treffen wollen, ist das immer eine gute Sache!
Aber wie geschrieben:
Die Initiatorin ist eine Leiterin unseres Teenykreises.
Und da wir in der Leitung jede Menge miteinander absprechen oder doch zumindest die anderen informieren, wäre das in diesem Fall auch gut gewesen. Ist aber nicht passiert.
Sie wollte das scheinbar “heimlich” tun, denn diese Info sickerte von anderer Seite durch.
Als ich das erfahren habe, habe ich darauf nicht so rumgepocht und habe nur klar gemacht, dass ich solche Hauskreise gut finde. Aber es war ihr sichtlich peinlich, dass ich erst im Nachhinein und durch andere von diesem Hauskreis erfahren habe. Warum ist es ihr “peinlich” gewesen?
Deswegen nochmal:
Die Teens sollen sich frei und spontan treffen und organisieren. Tolle Sache! Bin ich völlig Eurer Meinung.
Aber von einer Mitarbeiterin erwarte ich, dass man miteinander redet, wenn es um Dinge geht, die Einfluss auf den Teenykreis haben UND die von der Mitarbeiterin initiiert werden.
Nicht, um zu kontrollieren, sondern um Chancen zu entdecken und um zu fördern.
Schließlich wäre es eine gute Chance gewesen, gemeinsam darüber nachzudenken, wie wir für alle Teens Hauskreise fördern können.
Jetzt habe ich das Thema “Hauskreise” bei ihr nochmal angesprochen und das Argument der entspr. Mitarbeiterin ist nun: “Es dürfte schwierig mit der Zeit sein.”
Was ist davon zu halten?
Hallo Dirk,
leider komme ich erst jetzt dazu, auf deinen Kommentar zu antworten.
So wie du das dargestellt hast, kann ich deine Einwände verstehen.
Ja, diese Aussagen würde ich voll untertstützten, deine Erwartung ist da durchaus verständlich.
Aber ich hatte beim Lesen auch den spontanen Eindruck, dass da ein verborgener Konflikt vorhanden ist.
… ist zunächst mal bereits ein wertendes Urteil.
Weil das wertende Urteil vielleicht unterschwellig mit durchgeklungen hat, als du “nur klar gemacht” hast, dass du solche Hauskreise gut findest?
Peinlich vielleicht, weil (und hier kommt der verborgene Konflikt) offensichtlich das Bild, das diese Mitarbeiterin und die Teens des Hauskreises von dir und der Leitung haben, ein anderes ist?
Möglicherweise habt ihr bei dieser Gruppe ein Image, dass sie einen positiven Zuspruch für diese Aktion gar nicht erwartet haben?
Wenn man mit Kritik rechnet, und dann mit Lob konfrontiert wird (“eigentlich ist das total gut was ihr macht”), und wenn dadurch die Sinnlosigkeit eigener Ängste und Vermeidungsstrategien (“Heimlichkeit”) aufgedeckt werden, ist das durchaus peinlich.
Das wäre eine mögliche Erklärung.
Ich habe aber den Eindruck, dass diese Image-Geschichte möglicherweise noch tiefer greift und es möglicherweise unterschwellige Befürchtungen gibt, die vielleicht doch nicht so sinnlos sind.
Die Frage ist ganz einfach, ob …
… dies nur deine Sicht der Dinge ist, sondern ob es auch von der Gruppe so empfunden würde.
… und automatisch würde aus einem kleinen Versuch einer Gruppe von Leuten sofort eine große offizielle Sache. Aus dem zarten Ansatz “hey, wir wollen mal versuchen uns regelmäßig zu treffen, uns dabei persönlich austauschen, füreinander beten und ein bisschen Bibel lesen” wir sofort ein Konzept mit Entwürfen für Programme, Pläne und Methoden. Die große Sache eben, eine Sache der Macher, die wissen wie es geht.
Die Grundangst bei sowas ist: Vereinnahmung; Überfahren werden.
Ein Beispiel aus dem Individualbereich: Ein Mädchen schafft sich heimlich eine Gitarre an, und klimpert immer leise darauf, wenn die Mutter nachmittags arbeiten ist. Sie hält sich nicht für sonderlich musikalisch, aber so für sich zu klimpern macht ihr einfach Spass.
Eines Tages wird sie erwischt, weil die Mutter früher nach Hause kommt. Die Mutter sagt:
“Du willst Gitarre spielen? Aber das ist doch total toll!! Hör mal, ich organisiere dir einen Gitarrenlehrer. Sagen wir, zweimal die Woche zwei Stunden Unterricht? Dann kannst du Weihnachten schon in der Gemeinde was vorspielen! Nächstes Jahr gehst du dann auf die Musikschule und ich manage dann künftig deine Auftritte. Das ist doch klasse!!”
Sehr überspitzt, aber drückt aus, was meine Vermutung ist, weil ich so etwas selbst aus dem Gemeindebereich nur zu gut kenne.
Nochmal, ich kann hier nur Vermutungen anstellen, denke aber, dass da weiterer klärender Gesprächsbedarf ist. Und zwar nicht zum Thema Hauskreis, sondern darüber, wie du und die Leitung von der Mitarbeiterin und der Gruppe wahrgenommen werdet.
Genau diese Frage solltest du ihr stellen. Und meine Empfehlung: Du solltest sehr viel und sehr genau zuhören, und wahrgenommene Unsicherheiten und Ängste vorsichtig ansprechen.
Mach dich mit der Frage “Was ist davon zu halten” selbst schwach ihr gegenüber.
Hi MentalRover – TheOther Dirk!
Danke für Dein Feedback.
Das nenne ich mal kostenloses Coaching!
Das mit dem verborgenen Konflikt stimmt wahrscheinlich. Konflikt hört sich zwar schon ein bisschen dolle an, aber etwas davon fließt sicherlich mit rein.
Es geht um Emotionen und mancherlei Gedanken. Allerdings auch um dann schon recht tiefergehende Angelegenheiten, die ich nicht so gerne per “Kommentar-Funktion” darstellen will.
Vielleicht eher per e-mail.
Deine Beschreibung vom “Überfahren werden” finde ich gut. So ist es wirklich immer wieder anzufinden. Ich bin auch manchmal so.
Auf jeden Fall “Danke” für die Tipps.
Gby,
Dirk.
hey ich freue mich riesig über diesen Austausch hier, gerne zukünftig mehr davon
@Rover
Hast wirklich sehr gute Beobachtungen gemacht. Oft ist es in der Gemeindearbeit, dass Ideen, Gedanken oder auch Talente von einzelnen Personen, sobald mehr davon erfahren, von (wie du sie auch richtig genannt hast) “Machern” sofort umgesetzt und für das Reich Gottes eingesetzt werden. Dieses Denken an Zweckmäßigkeit kann echt schaden und ist nicht immer gut.
Bleiben wir bei deinem Beispiel mit dem Mädchen mit der Gitarre. Die Mutter, sie könnte auch irgendjemanden in der Gemeinde widerspiegeln, versucht sofort irgendwas daraus zu machen. Alles muss ja irgendwie für das Reich Gottes eingesetzt werden können…
Aber wichtiger hier wäre einfach die Musik des Mädels zu genießen, ihr ein Kompliment zu machen und zu sehen wie gut Gott Menschen doch begaben kann.
@Dirk
Von Konflikt redet man nicht immer sofort, ist natürlich auch die Frage was genau ein Konflikt ist…
Aber ich hätte bei dir und der Mitarbeiterin den Eindruck, dass etwas zu wenig kommuniziert wurde. Das passiert leider überall. Menschen reden oft zuwenig.
Es ist total wichtig, viel im Gespräch mit den Mitarbeitern zu sein, zu fragen was sie nervt, was sie sich wünschen, was ihre Vision von der Arbeit ist und wo man als Leiter helfen kann.
Hallo Ihr zwei,
Ist prinzipiell möglich. Meinen Nick gibts auch bei gmail.com
Ich benutze den Begriff aus systemischer Sicht. Da wird er ganz sachlich für das Aufeinandertreffen (Kollision) von einander widersprechenden Ereignissen bzw. Strukturen, oder unterschiedlich gerichteten Kräften benutzt.
(Siehe: Interessenkonflikt, Rollenkonflikt, Anforderungskonflikt usw.)
Richtig.
An einer Stelle wird es dabei kritisch:
Wenn unterschwellig gewisse Ängste/Befürchtungen/Ressentiments existieren, die die Kommunikation behindern, dann behindern sie ebenfalls die Kommunikation über diese Befürchtungen.
Daher müssen Leiter, wenn sie Offenheit einfordern, sich vorher genau darüber im Klaren sein, wie sie dann auf kritische Anmerkungen reagieren wollen, wenn ein Konflikt also zu Tage tritt.
Kein leichtes Geschäft.