Jedes menschliche Wunschbild, das in die Gemeinschaft eingebracht wird, hindert die echte Gemeinschaft und muss zerbrochen werden, damit die echte Gemeinschaft leben kann. Wer seinen Traum von einer christlichen Gemeinschaft mehr liebt als die christliche Gemeinschaft selbst, der wird zum Zerstörer jeder christlichen Gemeinschaft, und ob er es persönlich noch so ehrlich meint, noch so ernsthaft und hingebend meint.
Wie recht der Bonhoeffer mit diesen Worten doch hat.
Ich selber habe vor kurzen einmal meinen Traum von Kirche aufgeschrieben und ich denke daran ist auch nichts falsch. Träume und Visionen sind gut, solange sie mit dem übereinstimmen was Gottes Vision für Kirche, Gemeinde für christliche Gemeinschaft ist. Das muss nicht immer identisch sein und wenn ich meine Vision als zu wichtig ansehe und zu provokativ angehe, dann kann es sein, dass ich wie Bonhoeffer es beschreibt zum Zerstörer der Gemeinschaft werde.
Es geht darum wie ich mit meinem Traum umgehe, wie er zustande kommt und wie ich ihn verbreite.
Er tritt als Fordernder in die Gemeinschaft der Christen, richtet ein eigenes Gesetz auf und richtet danach die Brüder und Gott. Wo sein Bild zunichte wird, sieht er die Gemeinschaft zerbrechen. So wird er erst zum Verkläger seiner Brüder, dann zum Verkläger Gottes und zuletzt zum Verkläger seiner selbst.
Bonhoeffer schreibt weiter, dass Gott schon den Grund unserer Gemeinschaft schon gelegt hat. Weil er uns schon längst, noch bevor in das gemeinsame Leben mit Christen eintreten, mit diesen schon zu einem Leib/Körper in Jesus Christus zusammengeschlossen hat, treten wir nicht als die Fordernden, sondern als die Dankenden und Empfangenden in die Gemeinschaft ein.
Diese Thema ist gar nicht so einfach zusammenzufassen und ich denke darüber lässt sich viel reden. Ich persönlich muss da auf jedenfall noch weiter nachdenken.
Klingt mir sehr danach, als ob Bonhoeffer konkrete Personen und seine Erfahrungen mit ihnen vor Augen hat. “Gemeinsames Leben” ist ja seine Auswertung der Erfahrungen im Predigerseminar Finkenwalde und der angeschlossenen Theologengemeinschaft.
Der beschriebene Fall tritt oft dann ein, wenn jemand (nur) einen bestimmten Stil von Gemeinde (oder, schlimmer noch: von Konferenzen oder Medien) kennt, den für “den” eigentlichen, christlichen Stil hält und dann alle Gemeinden, in die er kommt, daran misst (und umzumodeln versucht). Er lässt sich nicht auf die konkreten Leute mit ihrer Geschichte, ihrem Stil und ihren Träumen ein, sondern leidet beständig daran, dass es nicht so ist, wie er es kennt oder auch nur gehört hat. Wenn einer daran festhält, kann man ihm nur raten, sich eine andere (passende) Gemeinde zu suchen, oder eben von Konferenz zu Konferenz zu hoppen.
Hi Walter,
ja das kann gut möglich sein das Bonhoeffer konkret was vor Augen hat.
Das geniale an Gemeinde ist ja, dass sie nicht immer gleich ist, denn Gemeinde besteht aus Menschen und diese sind immer unterschiedlich. Gemeinde muss auch unterschiedlich sein, weil die Orte, Umgebungen und Kulturen anders sind.
Das Grundkonzept von Gemeinde ist dabei schon gleich, Austausch und Zusammenhalt für Christen selbst und Licht und Bedeutung für Menschen außerhalb der Gemeinde.
Was mich mal interessieren würde, was (wenn überhaupt) Christen in anderen Kontinenten dieser Welt für einen Traum, Vision von Gemeinde haben (Simon hat hier hier ja einige verlinkt)