Sind Christen Marionetten? Die fünf gängigsten Vorurteile

Hey, Geppetto, wie läuft’s mit Pinocchio?

„Mist, jetzt hat sich die doofe Puppe schon wieder verheddert. Warum muss die auch an jedem Stolperstein hängen bleiben? Und das, obwohl ich sie so gut führe! Ach, jetzt ist da auch noch ein Knoten! Sohn,…Sohn? Kannst du mir bitte mit den Fäden hier helfen?“

„Schon wieder? Mmhh, also gut, dann gucken wir mal… So, sollte wieder gehen Vater!“

„Danke! Ich weiß ja auch nicht, aber diese Menschen Christen…irgendwie…ich denke, ich sollte vielleicht die Fäden noch ein wenig straffer ziehen, oder?“

Finger runter, wem dieses Bild nicht bekannt ist!

Immerhin wird man als Christ mit dem geschilderten Bild öfter mal konfrontiert, oder? Dieses Bild vom leicht naiven bis lebensunfähigen Christen, der nach absoluter Willensaufgabe nicht mehr ist als die Marionette einer höheren Instanz, im Volksmund als Gott bezeichnet (außerdem unter dem Code-Namen A.L.T.E.R. G.R.E.I.S. bekannt). Diese graue Eminenz im Hintergrund, die mit ihren Püppchen so ihre Spielchen spielt.

Finger hoch, wer nicht denkt, dass in diesem Bild ein Fünkchen Wahrheit steckt! Ein böses Vorurteil, oder? Oder ist vielleicht am Ende doch mehr dran?

Abgesehen von einigen Stellen in der Bibel, in die man ohne weiteres Prädestination hineinlesen kann (oder vielleicht sogar muss?), mache ich mich tatsächlich im Glauben von Gott abhängig und gehe nur in enger Verbindung mit ihm. Ich frage Gott nach seinen Plan für mein Leben. Ich frage, was er will. Hören und gehorchen sind zwei sehr zentrale Begriffe des Glaubens. Das hinterlässt heute einen bitteren Nachgeschmack, nicht wahr? Aber: Sollte ich Angst davor haben? Gott meint es gut, sogar sehr gut mit mir. Er möchte mein Bestes, das hat er durch seine Taten sehr eindeutig bewiesen. Welchen Weg sollte ich also sonst gehen?

Leider geht mit diesem Fakt des Glaubenslebens auch oft die Annahme einher, dass man nach der Bekehrung seinen Verstand an den Nagel hängen kann. Denn daneben kann man kaum liegen. Gott offenbart mir das Leben. Er macht mir klar, worum es geht. Zugleich hilft und führt er mich. Er sagt mir aber auch klar, dass ich verantwortlich für mein Handeln bin. Ich bin ihm, meinem Nächsten und mir selbst gegenüber verantwortlich, da ich weiß, was Sache ist. Mehr denn je gilt für mich, aufmerksam zu leben. Immer wieder sollte ich mir bewusst machen und nachdenken, warum ich was mache. Ich bin mit all meinem Sein somit sogar ein Gegenüber für Gott.

Oft genug jedoch lasse ich mich in irgendwelche Muster, Strömungen, oder Launen fallen. Ich gebe mich dann tatsächlich in die Hand eines dubiosen Strippenziehers, bis…ja bis Gott mich – da ich es selber nicht mehr schaffe – wieder herausholt, mich wieder frei macht.

Mir stellt sich gerade eine Frage: An welchen Fäden hängst du? Und vor allem: Wer zieht daran?