Eine Frage die mich vor kurzem beschäftigt hat und die ich einfach mal an euch weitergeben wollte war folgende:
Ist es möglich mit allen Christen aus den verschiedensten Konfessionen und Denominationen (Katholiken, Evangelen, Pfingstler, Charismaten, Konservative..) gemeinsame Missions- oder Evangelisationsprojekte durchzuführen?
Im Grunde genommen ist ja der Weg zu Gott, also wie ein Mensch gerettet werden kann, das was alle Christen verbindet, denn nur durch einen Weg, nämlich durch Jesus, ist es möglich zu Gott zu kommen (Joh. 14,6) und darin dürften sich doch eigentlich alle Christen einig sein?!
Welche Schwierigkeiten seht ihr dabei? Sollte man eine Zusammenarbeit überhaupt suchen, oder wäre es vorteilhafter einfach mit “Gleichgesinnten” gemeinsame Projekte zu starten?
Was meint ihr? Bin gespannt eure Meinungen zu hören…
Interessantes Thema.
Liegt die Betonung der Frage auf “ALLEN Christen”? Das dürfte nicht so leicht sein, dass ALLE Christen an einem Projekt mitmachen. Aber eine übergemeindliche Arbeit sollte schon möglich sein, sofern sich genug Leute bereiterklären mitzumachen.
Probleme sehe ich darin, wenn es Christen gibt, die sich an der Zusammenarbeit stören und versuchen, die Arbeit zu torpedieren. Außerdem sind Christen immer noch Menschen und haben so manche Eigenarten. Z.B. könnte es bei der Frage, in welche Gemeinde dann die ganzen Frischbekehrten gehen sollen Streitigkeiten geben. Manch ein Bruder würde monieren, dass sich Gemeinde XY am meisten engagiert und Gemeinde VZ den meisten Zuwachs hat.
Die Frage ist dabei auch, ob es sich um eine Arbeit handelt, die von einzelnen Christen geführt wird, oder ob sich die Gemeinden offiziell zusammentun. Man muss dann auch sehen, wie genau die Arbeit aussieht.
Das gibt es ja schon immer wieder. Bei so Sachen wie ProChrist arbeiten ja oft die verschiedensten Gemeinden miteinander. Natürlich kann es Schwierigkeiten geben, aber das muss nicht sein.
Ich habe Zivi in einer christlichen Kneipe gemacht, in der verschiedenste Leute mitgearbeitet haben (Katholiken, Charismatiker, Nichtchristen, Konservative etc.) und das war irgendwie nie ein Problem.
Eine überkonfessionelle Mission müßte sich auf einen gemeinsamen Nenner einigen, der dementsprechend klein wäre. Wenn ich jemandem vom Evangelium erzähle, möchte ich ihm gerne das volle Evangelium berichten. Genauso wird ein evangelikaler Christ darauf bedacht sein, daß Evangelium aus seiner Sicht zu verkünden. Das würde meiner Meinung nach auf Dauer nicht funktionieren, zumindest kann ich mir nicht vorstellen wie. Das soll nicht bedeuten, daß Christen nichts gemeinsam unternehmen sollen, aber die Mission sollte jede Kirche und Gemeinschaft besser für sich betreiben.
Hi,
aber ist es nicht so, dass alle Christen das “gleiche” Evangelium verkündigen und dies genau das ist, was sie verbindet?
Schwierigkeiten sehe ich nachher bei Fragen der Taufe oder bei anderen Themen wie z.B. die Sakramente…
@Schrotty
>aber ist es nicht so, dass alle Christen das “gleiche??? Evangelium verkündigen
Dann wirst du bestimmt mit mir übereinstimmen, daß die Hl. Tradition mit der Hl. Schrift gleichwertig ist und das Amt des Papstes schon explizit im NT erwähnt wird, genauso wie das Anrufen der Heiligen und Jesu Realpräsenz in der Eucharistie…
Verstehst du was ich meine? Du wirst die oben genannten Dinge mit der Berufung auf das Evangelium ablehnen, während ich genau das herauslese. Und bei allem Respekt vor meinen Mitchristen möchte ich nicht aus ökumenischen Gründen gezwungen sein, etwas zu verschweigen an das ich glaube. Da ist es meiner Meinung nach besser, wenn jeder bei seiner Evangelisation bleibt. Vielleicht sehe ich das als Berufspessimist aber auch zu schwarz.
Die Taufe wird ja meistens von einer Gemeinde vorgenommen, da vielfach die Auffassung vertreten wird, dass man mit der Taufe einer Ortsgemeinde beitritt. Wer sich taufen lassen will, muss sich halt an eine der Ortsgemeinden wenden.
Ich finde nicht, dass der gemeinsame Nenner zu klein ist. Wenn Einigkeit über die Notwendigkeit von Evangelisation besteht, liegt schonmal eine größere Einigkeit vor, als es sie in den meisten Ortsgemeinden der Landeskirchen gibt.
Ich denke es kommt auch darauf an, als wie wichtig bestimmte Lehrauffassungen genommen werden. Ich muss ja nicht mit allen Lehren des anderen Übereinstimmen. Mir ist es doch egal, ob du an die Transsubstantiation glaubst. Entscheidend ist doch, wie das in der Praxis aussieht. Wenn du allen erzählst, dass du alleine recht hast, und die andern alle lügen oder irregeleitet sind, dann kann ich auf die Zusammenarbeit verzichten. Aber wenn deutlich wird, dass es verschiedene Lehrmeinungen gibt, seh ich das nicht so schlimm.
Mit der katholischen Lehre gibt es wahrscheinlich die meisten potentiellen Probleme. Im evangelikalen Bereich sind die Gemeinsamkeiten schon größer. Aber eine Zusammenarbeit auf evangelikaler Ebene würde ich auch schon als großen Gewinn sehen.
@Thomas
>Wenn du allen erzählst, dass du alleine recht hast, und die andern alle lügen oder irregeleitet sind, dann kann ich auf die Zusammenarbeit verzichten.
Von Lügen kann keine Rede sein aber die Kirche hat schon immer einen Absolutheitsanspruch vertreten (siehe Dominus Iesus), genauso wie die Orthodoxen Kirchen und wenn man genau hinsieht sagen die Protestanten und die diversen evangelikalen Gemeinschaften nichts anderes aus. Das ist auch nur konsequent, weil sich die diversen Richtungen sonst nie hätten gründen müssen, denn diese Spaltungen sind ja nicht aus Spaß entstanden.
Auf was willst du dich dann als gemeinsamen Nenner einigen und wie sollte das aussehen? Und nenne mir bitte nicht Pro Christ als Beispiel. Das halte ich gemessen am Erfolg für eine einzige Geld- und Energieverschwendung. Bevor du mich falsch verstehst: ich würde eine gemeinsame Mission interessant finden, ich kann sie mir nur nicht vorstellen.
@fono:
“Und nenne mir bitte nicht Pro Christ als Beispiel. Das halte ich gemessen am Erfolg für eine einzige Geld- und Energieverschwendung.”
stimmt doch gar nicht, es gab 43.000 bekehrungen.
@francis
Die sind bestimmt alle beim Ministerium für garantiert echte Bekehrungen eingetragen. Na dann hat sich die Sache ja doch richtig gelohnt!
Das Problem liegt für mich eher in der Zusammenarbeit von kath. den ev. Christen. Wie es schon angesprochen wurde, liegt das Problme im Detail. Das Evangelium mag zwar gleich sein, die Interpretation nicht. Die kath. Kirche lässt nur eine zu, während die ev. Kirche jede zulässt. Siehe Taufe, Papst, Beichte…
Das ist so ziemlich der größte Stein der im Weg liegt. Und der kann nicht ausgeräumt werden.
Zum Thema Pro Christ:
43.000 Bekehrungen sind was feines. @fono: Schonmal drüber nachgedacht, dass jeder von den 43.000 Bekehrten vielleicht nochmal jeder 2-3 andere bekehrt? Und arbeiten im Namen Gottes ist nie eine Verschwendung. Erst recht nicht, wenn es um den Missionsauftrag geht.
>Von Lügen kann keine Rede sein aber die Kirche hat schon immer einen Absolutheitsanspruch vertreten (siehe Dominus Iesus), genauso wie die Orthodoxen Kirchen und wenn man genau hinsieht sagen die Protestanten und die diversen evangelikalen Gemeinschaften nichts anderes aus. Das ist auch nur konsequent, weil sich die diversen Richtungen sonst nie hätten gründen müssen, denn diese Spaltungen sind ja nicht aus Spaß entstanden.
Für mich ist es aber schon ein großer Unterschied, ob man zu derselben Gemeinschaft gehört oder ob man ein Projekt zusammen bestreitet. Der kleinste Nenner sind z.B. das Erlösungswerk Christi, Jesus als Sohn Gottes, Vergebung der Sünden, Auferstehung von den Toten, Dreieinigkeit. Und die Vergebung der Sünden ist ja gerade das entscheidende, worum es bei Mission geht. Je nachdem wie breit man das Bündnis wählt, kann man die Liste noch erweitern.
Das mit dem Absolutheitsanspruch der Katholischen Kirche seh ich nicht so dramatisch, da nicht jeder Katholik diesen so konsequent vertritt. Deswegen ist es ein Unterschied, ob man mit Kirchen zusammenarbeitet oder mit einzelnen Personen.
@Thomas
Du schriebst:”Wenn du allen erzählst, dass du alleine recht hast, und die andern alle lügen oder irregeleitet sind, dann kann ich auf die Zusammenarbeit verzichten.”
Ich denke was ganz wichtig ist, dass man nicht versucht die Leute zu irgendeiner Konfession hinzubekehren (bekehren können wir ja so oder so nicht, das macht Gott, ich wusste nur nicht wie ich das anders audrücken sollte..), sondern zum Glauben an Gott. Was wichtig für die Bezugsperson, die es eigentlich bei jeder Bekehrung geben sollte, ist, dass sie versuchen sollte einfach erstmal ein paar basics über den Glauben, z.b. durch einen Glaubensgrundkurs, zu vermitteln.