Wollte euch folgenden Artikel keineswegs vorenthalten.
Habe den hier bei Jared gelesen:
Ausgangspunkt: Christen sind langweilig
Meine HTL-Schüler sind der Meinung, dass Christen langweilig sind. Das ist bei einem Charaktertest herausgekommen. Es ging darum, herauszufinden, welche Charaktertypen die einzelnen Schüler haben. Da solche Aufgaben vor allem Spaß machen und lustig sein sollten, wurden jedem Charaktertyp ein witziges Symbol wie eine Lampe, ein Auge, ein Herz oder ein Fisch zugeordnet. Kein Schüler hat mit seinem Charakter einem Fisch entsprochen. So blieb mir zum Schluss die Aufgabe, den Fisch vorzustellen, der auf einen “durchschnittlichen Christen??? zugeschnitten war. Der Kommentar der Schüler: solche Menschen sind tierisch ernst!
Das ist eine interessante Feststellung und wie ich meine, sie ist gar nicht so falsch. Viele Menschen sind tatsächlich fest davon überzeugt, dass Christen langweilig sind: kommt man mit ihnen in Berührung, wird einem der Spaß verdorben.
Gott ist verrückt
Friedrich Nietzsche, der atheistische Philosoph und ein Gegner des Christentums, hat lange genug die Sauertopfgesichter seiner christlichen Zeitgenossen beobachtet.
Sein Fazit lautete: „Die Christen müssten erlöster aussehen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte“.
Wie ist das aber tatsächlich mit dem Erlöser der Christen? Hat Gott überhaupt Humor?
Die meisten Menschen würden diese Frage selbstverständlich verneinen. Ihre Bilder von Gott haben wenig mit einem humorvollen Gott zu tun. Sie würden Gott eher für einen Polizisten, ja einen Despoten halten, den man gnädig stimmen muss. Einige denken vielleicht an einen „lieben Opa im Himmel“. Das habe ich von einer Schülerin gehört. Sie schrieb sogar an die Tafel: GOTT bedeutet soviel wie: „Guter Opa Total Taub“! Andere sprechen von einem „Mächtigen Gott“, gegen den ich mich besser verschließe, von einem „Schicksalsgott“, der die Menschen wie ein Marionettenspieler in der Hand hat, von einer unbestimmten „Höheren Macht“, weil es ja „irgend etwas über uns geben muss“…
Es gibt einen interessanten Aufsatz vom Pastor einer Baptistengemeinde in Berlin, der im Alten Testament in vielen, auf ersten Blick durchaus ernsten Geschichten, gläubigen Humor und einen humorvollen Gott entdeckte. Doch man muss nicht unbedingt diesen Aufsatz lesen, um drauf zu kommen, ob Gott Humor hat oder nicht. Es genügt, wenn wir uns ein bisschen im christlichen Glauben auskennen und dabei ein wenig nachdenken. Dann wissen wir, dass Gott nicht nur Humor hat, sondern dass er sogar wie ein Narr ist – nämlich völlig verrückt und unberechenbar!
Ja, Gottes Wesen ist, dass er verrückt ist! Ve-rückt im doppelten Sinne.
Teilen wir zuerst das Wort verrückt in der Mitte. Was da raus kommt? Ver-rückt. Er ist weggerückt, hinausgerückt ins Ganzanderswo, wo wir Menschen ihn nicht vermuten und nicht finden können. Die Bibel bringt diese Ver-rücktheit Gottes ins Ganzanderswo zur Sprache: „Wie groß ist doch Gott! Wie unendlich sein Reichtum, seine Weisheit, wie tief seine Gedanken. Wie unbegreiflich sind für uns seine Entscheidungen und seine Pläne, wer könnte jemals Gottes Absichten erkennen?“ (Römer 11, 33-34).
Gott ist aber auch anders verrückt. Er ist närrisch verrückt! Verrückt vor Liebe nämlich! Mit der Idee von der Schöpfung, die an sich sehr sehr gut ist. Mit dem Gedanken vom Menschen, mit dem er sich eine intime Beziehung und infolgedessen eine glückliche Ewigkeit wünscht. Mit einer völlig verrückten Idee von diesem Jesus aus Nazareth, der für die Welt zum Gipfel der Torheit wurde und noch immer wird. Es ist doch völlig verrückt: der Unsichtbare und Unsterbliche wird sichtbar und dem Tod ausgeliefert? Verrückt auch im anderen Sinne – Unser Gott ist ein Gott der Widersprüche: er vernichtet und heilt, verwirft und sucht. Das macht ihn auch so glaubwürdig. Ein Lügnergott wäre natürlich widerspruchsfrei und dogmatisch „sauber“!
[Was meint der Schreiber damit? Der ein oder andere denkt sich vielleicht Wie kann Gott widersprüchlich sein…? Das ist Gott auch nicht, er erbarmt sich nur viel zu oft und wendet so die versprochene Strafe ab! Wir würden das bei einem Menschen widersprüchlich schimpfen - bei Gott ist das nicht möglich! Sollten uns echt viel lieber freuen das er soviel Erbarmen hat]
Jesus ist der Obernarr
Und Jesus? Was ist mit Jesus? Hat er Humor verstanden?
Nirgendwo, an keiner Stelle des Neuen Testaments wird davon berichtet, dass Jesus gelacht hat. An seiner Art zu reden merken wir aber, dass er auch Spaß verstanden hat.
Ich stelle mir vor, dass er mit seinen Vergleichen nicht nur ins Schwarze getroffen hat, sondern bei vielen Zuhörern auch einen Lacher hervorbrachte: „Ihr verblendeten Führer – gemeint hat er die Pharisäer – ihr entfernt jede kleine Mücke entrüstet aus eurem Essen, doch ganze Kamele schluckt ihr bedenkenlos hinunter“ (Mathäus 23,24).
Jesus sagte übrigens, dass es wichtig ist zu weinen und zu lachen, vor allem zur richtigen Zeit (Lukas 6,26).
Paulus – der Kabarettist Gottes
Es gibt einen Unternarren unter dem Obernarren Christus, einen Kabarettisten Gottes, der in der Bibel deutliche Spuren seiner Torheit hinterlassen hat: Paulus. Er hat einen närrischen Ernst. Er hält den Glauben für „Blödsinn“ und spricht immer wieder davon. Paulus verschweigt nicht, dass er ein Narr ist: „Ja, ihr lieben Korinther. Ich bin mir bewusst, dass ich wie ein Narr rede und ihr habt mich offensichtlich für einen Narren gehalten“.
Er steht zu seiner Verrücktheit. Paulus ist ein Narr um Jesu Christi willen. Das ist in den Augen der Welt schlimm genug. Er ist ein Narr, weil Christus es will – das ist der Gipfel der Verrücktheit.
Mehr Verrücktsein ist im Sinne Gottes
Der jüdische Philosoph und Denker Martin Buber hat im Blick auf den gläubigen Humor einen sehr interessanten Satz geprägt: „Humor ohne Gläubigkeit führt zum Zynismus. Gläubigkeit ohne Humor führt zur Engstirnigkeit“.
Christen haben eigentlich viel Grund zum Lachen. Sie haben eine Perspektive auf eine tolle Zukunft auch jenseits des Todes, und erwarten eine himmlische Ewigkeits-Party bei ihrem Vater. Weil sie das wissen, müssen sie das Zeitliche nicht so übermäßig ernst nehmen. Und auch hier auf Erden, im Diesseits, haben sie Grund zur Freude über einen Gott, der sie in Schwierigkeiten trägt und begleitet. Sie können, weil sie auf der Seite dessen stehen, der die Welt überwunden hat, eine gewisse Heiterkeit genießen.
Soll das nicht sichtbar und spürbar sein, wenn sie zusammenkommen um vor Gott ihre Gottesdienste zu feiern?
Christliche Gottesdienste sind oft wie viele Christen selber: tierisch ernst nämlich. Manchmal könnte man den Eindruck bekommen, es findet eine Beerdigung statt.
Christen fehlt oft eine Feierkultur, die Ausdruck der Gelassenheit und Dankbarkeit, Freude am Leben und Ausdruck des Geborgensein ist.
Jemand sagte einmal: „Ein Gottesdienst, bei dem die Teilnehmer nicht mindestens dreimal lachen können, sollte besser nicht gefeiert werden“.
Schlusspunkt: werden wir verrückt!
Gott ist verrückt. Jesus ist der Obernarr. Wir haben keine andere Wahl als verrückt zu sein. Nur so können wir uns diesem Ganzanderswo-Bereich Gottes nähern und ‘normale Menschen’ werden, von denen Gott bis ans Ende der Welt träumt.
Quelle: Evangelisch.ainet.at