Nackter Glaube / Grundüberzeugung der Täufer

 

Ich lese gerade das Buch “Nackter Glaube” von Stuart Murray und dieses Buch ist auf 7 Grundüberzeugungen aufgebaut, die ich sehr interessant fand und in der nächsten Zeit mehr darüber nachdenken werde

  1. Jesus ist unser Vorbild, Lehrer, Freund, Erlöser und Herr. Er ist die Quelle unseres Lebens, der zentrale Bezugspunkt für unseren Glauben und unseren Lebensstil, für unser Verständnis von Kirche und für unser Engagement in der Gesellschaft. Wir sind entschlossen, Jesus nachzufolgen und anzubeten.
  2. Jesus ist der Dreh- und Angelpunkt der Offenbarung Gottes. Wir sind einem Jesus-zentrierten Zugang zur Bibel verpflichtet. Zugleich ist die Gemeinschaft der Glaubenden unser primärer Kontext, in dem wir die Bibel lesen und über die Konsequenzen für unsere Nachfolge entscheiden.
  3. Die westliche Kultur entwächst allmählich einer vom Christentum dominierten Ära, in der Kirche und Staat gemeinsam die Gesellschaft leiteten und die nahezu jeden Menschen als Christ verstand. Ungeachtet seiner positiven Beiträge im Blick auf Werte und Institutionen, hat dieses Christentum das Evangelium verzerrt. Es marginalisierte Jesus und hinterlässt die Kirchen schlecht ausgerüstet für die Mission in einer nachchristlichen Welt. Bewegungen wie die der Täufer haben diese Art Christentum zurückgewiesen und nach alternativen Denkansätzen und Verhaltensweisen gesucht. Unsere Reflexion darüber bewegt uns, von deren Erfahrungen und Perspektiven zu lernen.
  4. Die häufige Verbindung der Kirche mit Status, Reichtum und Macht ist der Nachfolge Jesu unangemessen und schadet unserem Zeugnis. Wir verpflichten uns, nach Wegen zu suchen, die für die Armen, Machtlosen und Verfolgten gute Nachricht sind. Wir sind uns bewusst, dass diese Art der Nachfolge Widerspruch auslösen und zum Leiden führen kann, ja manchmal sogar im Martyrium enden könnte.
  5. Gemeinden sind dazu berufen, verbindliche Gemeinschaften der Nachfolge und Mission zu sein, Orte der Freundschaft, der gegenseitigen Verantwortlichkeit und eines vielstimmigen Gottesdienstes. Wir teilen Brot und Wein miteinander und stärken unsere Hoffnung, indem wir uns gemeinsam auf Gottes Herrschaft ausrichten. Hier werden Junge und Alte wertgeschätzt, Leiterschaft wird in beratender Haltung ausgeübt, Dienste werden geschlechtsunabhängig und gabenorientiert wahrgenommen, und es wird die Glaubenstaufe praktiziert. Solche Gemeinden wollen wir fördern und entwickeln.
  6. Spiritualität und Ökonomie sind eng miteinander verbunden. In einer individualistischen und konsumorientierten Gesellschaft und in einer Welt voller ökonomischer Ungerechtigkeit sind wir entschlossen, Wege eines einfachen Lebensstils zu finden, großzügig zu teilen, die Schöpfung zu bewahren und uns für Gerechtigkeit einzusetzen.
  7. Frieden ist das Herz des Evangeliums. Als Nachfolger Jesu in einer uneinigen und gewalttätigen Welt suchen wir nach gewaltlosen Alternativen. Wir lernen, wie sich Frieden stiften lässt zwischen einzelnen Menschen, innerhalb und zwischen Kirchen, in der Gesellschaft und zwischen Nationen.

Glaube(n) von selbst und die Verantwortung des Gläubigen nach Eph 4,22ff

Gottes Wort ist kein Lese,- sondern ein Lebe-Wort…Man muss es so in sich einbilden, daß schier eine Natur draus würde.
Martin Luther

 

Dieses Zitat habe ich heute in dem Buch von Helmut Thielicke “Und wenn Gott wäre… Reden über die Frage nach Gott.” gelesen und auch wenn das Thema des Buches ein anderes ist, hat mich dieses Zitat an das Buch von N.T. Wright “Glaube  - und dann?” erinnert, an dem ich jetzt bzw. schon etwas länger sitze.

Ich erlebe es immer wieder, wenn es darum geht wie man als Christ leben sollte und vor allem wie die Entwicklung dieses Lebens von Beginn des Glaubens an ist, dass entsprechend der Konfession geprägt wird, man müsse nur den Geist wirken lassen und darin wandeln und der Rest passiere von selbst, die Gemeinschaft von Christen suchen und/oder stark in der Bibel sein.

Dabei hat alles einzelne seine Richtigkeit, wird mir hier aber teilweise der Gläubige selbst zu wenig in die Verantwortung für sein Leben genommen. Mir gefallen dagegen die Gedankengänge, die Wright in seinem Buch darlegt, in dem er sagt, dass beim Beginn des Glaubens alte Verhaltensgewohnheiten, sprich der alte Charakter, abgelegt und neue Verhaltensgewohnheiten entwickelt und gepflegt werden müssen. Und hier hat der Gläubige selbst eine starke Verantwortung!

Mich erinnert das an die Bibelstelle aus Eph 4,22ff die ich letztens gelesen habe, in der ganz deutlich von klaren Aufforderungen im Bezug auf den ehemaligen Lebenswandel (man kann es auch den Charakter nennen) und auf den neuen Lebenswandel gesprochen wird.

 

 


Paulus zum Abschied / Impuls für (m)einen Leiterwechsel

Heute war mein letztes offizielles Treffen im Leitungsteam von festpunkt. Einem sozial-missionarischem Projekt für Kinder- und Jugendliche und deren Familien aus dem Stadtteil meiner Gemeinde, dass ich zusammen mit 2 anderen Personen 2007 gegründet und seitdem auch geleitet habe. Die Vision dahinter ist,

 Durch festpunkt wollen wir mit Kids und Teens aus Bi-Heepen das Evangelium von Jesus teilen und gemeinsam leben.

Nach so vielen Jahren und unendlichen Begegnungen mit Kindern- und Jugendlichen auf der einen Seite und mit vielen Mitarbeitern auf der anderen Seite gehe ich diesem “Abschied” bzw. Wechsel schon mit einem mulmigen Gefühl entgegen. Ich freue mich, dass zwei gute Leiter folgen und es ein motiviertes Leitungsteam gibt und bin daher guter trotz des Gefühls guter Dinge. Einfach weil ich weiß, dass Gott sein Werk zu Ende führt und so ein Wechsel viele gute Impulse bringen wird. Und ich auch für den Anfang ja in Bielefeld wohnen bleibe und so den Übergang noch gut begleiten kann.

In der Zeit mit Gott am Morgen habe ich die Abschiedsrede von Paulus an die Ältesten der Gemeinde in Ephesus aus Apg 20,17ff. gelesen und konnte daraus am Abend einige Gedanken weitergeben. Solche Texte finde ich interessant, da beim Abschied oder zum Ende hin häufig die wichtigsten Inhalte auf den Punkt gebrachten.

 

 


Abkehr vom Glauben – Wenn junge Menschen aufhören zu glauben // Newsletter Jugendforschung

Der letzte Newsletter der Initiative für werteorientierte Jugendforschung befasst sich mit dem Thema, warum junge Menschen aufhören zu glauben und die damit zusammenhängenden Herausforderungen für die Jugendarbeit. Ziel der Ausgabe ist:

Es kommt gar nicht so selten vor: junge Menschen kehren dem Glauben und ihren Kirchen und Gemeinden den Rücken. Nicht jeder, der einmal zu Gott gefunden hat und seinen Glauben aktiv lebt, bleibt sein Leben lang ein “frommer Christ”. Darüber zu reden, fällt Christen oft schwer, auch in der Jugendarbeit. Das Thema ist besetzt mit Selbstvorwürfen, unbefriedigenden Erklärungsversuchen oder wird einfach verdrängt.

Dieser Newsletter von Markus Karstädter fragt nach den Gründen der “Dekonversion”. Was ist “Entkehrung”, welche Gründe gibt es dafür und was können Gemeinden und Jugendleiter tun? Eine hilfreiche Dokumentation zu einem klassischen Tabu-Thema. Hilfreich auch für betroffene Eltern.

Ich finde das Thema insbesondere unter dem Aspekt interessant, dass viele Jugendliche, die christlich aufgewachsen sind, in der Pubertätszeit den Glauben hinterfragen und herausgefordert sind, diesen bewusst für sich zu interpretieren, anzunehmen und auszuleben. Dies beinhaltet bestimmte Glaubenssätze, Grundsatzfragen an die Bibel und die von Eltern und Gemeinde vermittelnden Werte&Normen.
Wird in dieser Zeit keine gute Begleitung gegeben, wird es schnell passieren, dass diese Jugendlichen entweder an ihrem Hinterfragen verzweifeln und ggfs. den Glauben sofort oder später verwerfen oder mit der Zeit die Fragen nicht mehr so wichtig angesehen werden. Häufig fehlt dann aber auch die Bereitschaft und Fähigkeit sich in der Zukunft mit Kritik und Zweifeln am eigenen Glauben umzugehen.

In dem Newsletter werden verschiedene Gründe aufgezählt (angelehnt an einer Studie des Instituts empirica, warum junge Menschen den Glauben den Rücken kehren:

Für den Umgang in der Jugendarbeit schlagen sie vor: